Reporter Karl Wendl aus Libyen
Gaddafi narrt die Verfolger
Millionen-Kopfgeld, Rebellen jagen ihn. Doch er bleibt verschwunden. Noch.
Er hat die Realität verdrängt. Bis zuletzt. Wüstendiktator Muammar Gaddafi (69) hat nicht mit der Erstürmung seiner Festung Bab al Asisija gerechnet. Das zeigen die Spuren in seinem Haupthaus innerhalb der sechs Hektar großen Anlage: Im zentralen Gebäude ist zwar an vielen Stellen Feuer gelegt worden. Gaddafis Büro, sein Konferenzzimmer, die Küche, der Pool und einige Nebengebäude sind aber kein Raub der Flammen geworden: „Sie hatten keine Zeit, alles zu vernichten“, sagt ein Kämpfer zur mir.
Grauen im Leichenhaus nahe Tripolis
Es stinkt. Süßlicher Geruch, verbranntes Fleisch, Millionen Fliegen. Das Hauptquartier der gefürchteten Khamis-Brigaden bei Tripolis. Die Söldner-Einheiten wurden von Khamis Gaddafi kommandiert, jüngster Sohn des Diktators: „Sie waren die loyalsten“, sagen die Menschen, „sie kämpften bis zuletzt“. Und mordeten. Auch die eigenen Leute. Seit Tagen ist der Khamis-Komplex von den Rebellen erobert. Doch erst jetzt wagten sich die Nachbarn hinein. Horror: In einem hallenartigen Gebäude liegen 53 Tote. Die meisten an den Händen am Rücken gefesselt. Exekutiert. Danach mit Benzin überschüttet und angezündet. Wer die Toten sind, weiß niemand: „Die meisten sind Zivilisten“, sagt einer der Nachbarn. Sicher dabei sind aber auch Söldner, die nicht weiterkämpfen wollten und von Khamis-Einheiten exekutiert wurden. Insgesamt habe man 246 Tote gefunden, sagt Ahemd Barakat, Gesundheitsminister der Übergangregierung zu ÖSTERREICH: „Teilweise sind die Toten schwer zu identifizieren. Viele sind stark verwest, sie liegen seit Tagen in der prallen Sonne.“ Man werde dennoch von allen Fotos machen: für das Haager Kriegsverbrechertribunal.
Villa von Gaddafi-Tochter geplündert
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Auch Villa von Gaddafi-Sohn al-Saadi geplündert
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