US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einem Eingreifen gedroht, sollte die Führung in Teheran gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgehen.
Falls der Iran Demonstranten erschieße und töte, würden die Vereinigten Staaten ihnen zu Hilfe eilen, erklärte Trump am Freitag. Bei seit Tagen andauernden Protesten im Iran wegen der angespannten Wirtschaftslage sind iranischen Medien und Menschenrechtsgruppen zufolge mehrere Menschen getötet worden.
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"Wir stehen Gewehr bei Fuß und sind bereit", schrieb Trump auf dem von ihm gegründeten Onlinedienst Truth Social. Die Unruhen hatten am Sonntag mit Protesten der Besitzer kleiner Geschäfte gegen die hohe Inflation und den Verfall der Währung begonnen und sich seitdem im ganzen Land ausgebreitet. Die iranische Regierung kündigte als Reaktion einen Dialog mit Vertretern von Gewerkschaften und Händlern an.
Iranische Politiker reagieren auf Drohung
Eine Reaktion aus Teheran auf den Trump-Vorstoß folgte am Freitag prompt. "Wir unterscheiden zwischen der Haltung der protestierenden Ladenbesitzer und den Aktionen störender Akteure, und Trump sollte wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit die gesamte Region destabilisieren würde", schrieb Ali Larijani, Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, auf der Plattform X. Ali Shamkhani, ein ranghoher Berater der Staatsführung, warnte ebenfalls auf X: Jede eingreifende Hand, die sich unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde abgeschnitten.
Pezeshkian selbstkritisch
Die Proteste sind die größten seit drei Jahren. Damals wurden landesweite Demonstrationen durch den Tod einer jungen Frau in Haft ausgelöst. Menschenrechtsgruppen berichteten von Hunderten Toten.
Während der jüngsten Unruhen schlug der gewählte Präsident Masoud Pezeshkian einen versöhnlichen Ton an. Er versprach einen Dialog mit den Anführern der Proteste über die Krise der Lebenshaltungskosten. Pezeshkian räumte am Donnerstag Versäumnisse der Behörden ein. "Wir tragen die Schuld", sagte Pezeshkian. "Suchen Sie nicht nach einem Schuldigen für Amerika oder irgendjemand anderen. Wir müssen unsere Arbeit ordnungsgemäß erledigen, damit die Menschen mit uns zufrieden sind." Die Regierung von Pezeshkian will die Wirtschaft liberalisieren. Eine ihrer Maßnahmen, die Deregulierung des Devisenhandels, hat zu einem starken Wertverfall des iranischen Rial auf dem Schwarzmarkt beigetragen. Währenddessen ging der Staat vor allem in den Provinzen mit absoluter Härte gegen die Proteste vor.
Heikle Phase
Die USA gelten seit der Islamischen Revolution von 1979 als Erzfeind der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten beide Länder nicht. Im Juni 2025 hatte sich das US-Militär Israels Krieg gegen den Iran angeschlossen und dort zentrale Atomanlagen bombardiert. Die Unruhen treffen die Führung in Teheran in einer kritischen Phase, da die Wirtschaft unter westlichen Sanktionen, einer Inflationsrate von über 40 Prozent und den Folgen der tagelangen Luftangriffe Israels und der USA leidet.
Inzwischen erfassen die Demonstrationen mehrere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Augenzeugen berichteten über ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften, die in den Metropolen einrückten und an wichtigen Verkehrsknoten Stellung bezogen. Vor allem in den ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu dramatischen Szenen und Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Mindestens sieben Menschen kamen bei den Konfrontationen ums Leben.
"Feuer unter der Asche"
Wie sich die Proteste weiterentwickeln, ist Beobachtern zufolge weitgehend unklar. "Unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung ist es keiner der Oppositionsfraktionen bisher gelungen, schlagkräftige Organisationen oder dauerhafte Netzwerke aufzubauen, die die Proteste lenken könnten", schreibt der Historiker Arash Azizi in einem Gastbeitrag für das US-Magazin "The Atlantic". "Ohne eine solche Ausrichtung dürften die aktuellen Proteste an Schwung verlieren und im Sande verlaufen". Sollten sie jedoch anhalten, sei es deutlich wahrscheinlicher, "dass Akteure aus den Reihen des Regimes selbst die Initiative ergreifen" und dem obersten, geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei die Macht entreißen, schreibt Azizi.
Die aktuellen Unruhen seien "wie Feuer unter der Asche", sagt ein iranischer Professor, der anonym bleiben wollte. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ausbrechen." Seiner Ansicht nach handelt es sich längst nicht mehr um reine Wirtschaftsproteste. Es gehe um eine grundlegende Kritik an der Politik der Staatsführung und deren außenpolitischen Entscheidungen. "Daher ist es nur natürlich, dass die Proteste schnell politisch werden."
Zukunftssorgen und Hoffnungslosigkeit in der Hauptstadt
In der Hauptstadt Teheran, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes, sorgen sich viele Bewohner seit Jahren um ihre Zukunft. "Ich selbst habe die Proteste aus nächster Nähe gesehen. Viele waren Menschen aus der Generation Z - junge Leute, die weder Hoffnung noch Motivation haben", sagt Morteza (37), ein Fitnesstrainer. "Das Land hat eigentlich genügend Einnahmen, aber sie kommen nicht bei den Menschen an."
Auch die Lehrerin Mila (36) spürt die Hoffnungslosigkeit. "Wie bei meinen Freunden und Kollegen ist meine Lage schlecht. Der Alltag ist schwer zu ertragen, Freizeit und Reisen sind kaum möglich", sagt sie. "Das Recht auf Protest muss den Menschen bleiben", fordert sie.
Selbst eigentlich wohlhabende Händler klagen inzwischen. Mohammad-Javad (43), der im großen Basar von Teheran einen Schmuckladen betreibt, hat sein Geschäft am vergangenen Sonntag geschlossen. "Wir wissen einfach nicht mehr, welche Preise wir festlegen sollen." Bei den Schwankungen am Devisenmarkt müsse er stündlich Korrekturen vornehmen. "Wie sollen wir das den Kunden erklären? So kann es nicht weitergehen. So einfach ist das."
Auch Kriegssorgen beeinflussen Währungskurs
Auch die Sorgen vor einem neuen Krieg haben Unruhen am Devisenmarkt ausgelöst. Anfang der Woche sagte Trump, er unterstütze israelische Angriffe auf den Iran, sollte das Land sein Atomprogramm wieder instand setzen und weiter ballistische Raketen bauen. Präsident Pezeshkian hatte auf X entgegnet, jede Antwort der Islamischen Republik auf einen ungerechten Angriff werde hart sein und Reue erzeugen.
Israel hatte im Juni zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt und gemeinsam mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert. Der Grundkonflikt der Erzfeinde besteht trotz einer Waffenruhe fort - eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht. Die USA und auch Israel gelten seit der Islamischen Revolution von 1979 als Erzfeinde der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten die Länder nicht.