Nahost-Konflikt

Israel meldet: Alle Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon tot

 Die im Süden des Libanon stationierten israelischen Soldaten haben den Befehl zur Tötung jedes Hisbollah-Kämpfers im Gebiet südlich des Litani-Flusses erhalten. 

Nach den ersten direkten Gesprächen zwischen Vertretern Israels und des Libanon seit Jahrzehnten sind unterdessen die gegenseitigen Angriffe zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz unvermindert weitergegangen. Das israelische Sicherheitskabinett berät über eine Waffenruhe.

"Ich habe angeordnet, dass das ganze Gebiet im Südlibanon bis zur Litani-Linie zu einer Tötungszone für Hisbollah-Terroristen wird", sagte der israelische Generalstabschef Eyal Zamir am Mittwoch bei einem Truppenbesuch in dem Gebiet. "Wir rücken vor und treffen die Hisbollah und sie ziehen sich zurück", fügte Zamir hinzu. Die israelische Armee habe seit dem Beginn des Einsatzes am 2. März "mehr als 1700" Kämpfer getötet, die Hisbollah sei "geschwächt und im Libanon isoliert". Der Litani ist rund 30 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt.

Bei mehreren israelischen Angriffen im Süden des Libanon wurden indes nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens drei Rettungskräfte getötet. Israel habe "dreimal hintereinander Rettungsteams angegriffen", teilte das Ministerium am Mittwoch mit. Ein vierter Rettungshelfer werde nach den Angriffen in der Ortschaft Maifadun vermisst. Zudem seien sechs Menschen verletzt worden.

Israelisches Sicherheitskabinett berät Waffenruhe

Das Sicherheitskabinett des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu kommt nach Angaben eines hochrangigen Regierungsvertreters am heutigen Mittwoch um 20.00 Uhr (19.00 Uhr MESZ) zusammen. Diplomatische Bemühungen des Iran und anderer Länder in der Region könnten nach den Worten eines hochrangigen Hisbollah-Abgeordneten bald zu einer Waffenruhe im Libanon führen. Teheran nutze dabei die Blockade der Straße von Hormuz als Druckmittel, sagt Ibrahim al-Mussawi der Nachrichtenagentur Reuters. Der Iran übe starken Druck auf die USA aus und fordere, den Libanon in eine Waffenruhe einzubeziehen. Andernfalls werde die Blockade der Meerenge fortgesetzt. "Das ist die wirtschaftliche Karte", erklärt Mussawi.

Israel greift mehr als 200 Hisbollah-Ziele an

Am Dienstag hatten Vertreter Israels und des Libanon in Washington direkte Gespräche geführt. Die israelische Armee teilte am Mittwoch mit, sie habe innerhalb von 24 Stunden mehr als 200 Hisbollah-Ziele im südlichen Libanon angegriffen. Getroffen worden seien unter anderem "Terroristen", militärische Infrastruktur und rund 20 Raketenwerfer. Angaben zu möglichen Toten durch die Angriffe machten die israelischen Streitkräfte nicht.

Kurz zuvor hatte die israelische Armee eine neue Evakuierungsaufforderung an die Bevölkerung herausgegeben. "Die Luftangriffe gehen weiter", hieß es darin. Alle Bewohner sollten sich "unverzüglich" in Gebiete nördlich des Flusses Zahrani zurückziehen. Der Fluss liegt rund 40 Kilometer nördlich der Grenze zwischen dem Libanon und Israel.

Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von zwei israelischen Luftangriffen auf Fahrzeuge im Süden des Libanons. Eine Attacke erfolgte demnach in der Ortschaft Saadiyat, eine weitere auf einer Küstenstraße im nahen Jiyeh. Auch andere Orte im Süden des Landes wurden demnach attackiert. Ein AFP-Journalist berichtete von einem ausgebrannten Lieferwagen, aus dem Rettungskräfte menschliche Überreste bargen.

Die Hisbollah erklärte ihrerseits, Israel mit zehn Raketen angegriffen zu haben. Das israelische Militär bestätigte den Beschuss. Es gab die Zahl der Raketen, die bis zum Vormittag auf israelisches Gebiet abgefeuert worden seien, aber mit 30 an. Die Hisbollah berichtete darüber hinaus von heftigen Kämpfen um die grenznahe Stadt Bint Jbeil.

Verhandlungen in Washington

Dienstagabend hatten die libanesische Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, sowie der israelische Vertreter in Washington, Yechiel Leiter, Gespräche geführt. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass israelische und libanesische Vertreter zu direkten Gesprächen auf politischer Ebene zusammenkamen. US-Angaben zufolge sollen die direkten Verhandlungen, die demnach zu einem "umfassenden Friedensabkommen" führen könnten, weitergehen.

Israel will bei den Gesprächen auch eine Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen. Die libanesische Regierung, die keine Partei in dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ist, will eine Waffenruhe und einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Libanons erreichen.

Kurz nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran Ende Februar hatte die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel verstärkt. Israel fliegt seitdem massive Luftangriffe auf Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei den israelischen Attacken wurden den libanesischen Behörden zufolge seitdem mehr als 2.000 Menschen getötet.

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