Trump-Drohungen

NATO ohne USA – Europa tüftelt an Notfallplan

Angesichts globaler Konflikte arbeiten europäische Staaten laut Berichten an einem Notfallplan für die NATO. Ziel ist eine Absicherung, falls die USA unter Donald Trump ihre Unterstützung entziehen. 

Die aktuelle Unsicherheit rund um den Ukraine-Konflikt und weitere Krisenherde sorgt für Unruhe in den europäischen Hauptstädten. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) gibt es konkrete Überlegungen für eine Art „europäische NATO“. Diese soll das bestehende Bündnis nicht ersetzen, aber für den Fall absichern, dass Washington Truppen abzieht oder den Beistand im Ernstfall verweigert. Auch für Österreich, das zwar kein NATO-Mitglied ist, aber inmitten dieser Sicherheitsarchitektur liegt, ist die Stabilität des Bündnisses von zentraler Bedeutung.

Kurswechsel in der Bundesregierung

Besonders Deutschland gilt laut dem Bericht als treibende Kraft hinter diesen Plänen. Bundeskanzler Friedrich Merz soll Ende 2025 seine Strategie geändert haben. Während man sich in Berlin lange auf die USA als Schutzmacht verlassen hatte, wuchsen die Zweifel an der weiteren Unterstützung der Ukraine durch US-Präsident Donald Trump. Merz kam intern offenbar zu dem Schluss, dass Europa eigenständiger werden muss, auch wenn er die transatlantische Allianz öffentlich weiterhin unterstützt.

Europa übernimmt mehr Verantwortung

Innerhalb der deutschen Bundesregierung hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Europa innerhalb der NATO mehr Gewicht braucht. Verteidigungsminister Boris Pistorius forderte bereits Ende des vergangenen Jahres, dass die NATO „europäischer werden müsse, um transatlantisch zu bleiben“. Diesem Kurs schließen sich laut WSJ mittlerweile auch Staaten wie Frankreich, Großbritannien, Polen sowie die nordischen Länder und sogar Kanada an.

Militärische Fragen im Fokus

Im Zentrum der Planungen stehen logistische und strategische Herausforderungen. Es geht darum, wer die Luftabwehr organisiert oder Truppenbewegungen Richtung Baltikum koordiniert, sollten US-Offiziere und deren Kommandostrukturen wegfallen. Die Abhängigkeit von den USA ist derzeit noch massiv, besonders in den Bereichen Aufklärung, Logistik und Raketenwarnsysteme.

Diskussion über nuklearen Schutz

Ein besonders sensibler Punkt des Berichts betrifft die nukleare Abschreckung. Da die europäischen Staaten hier stark von Amerika abhängen, rückt eine alte Debatte wieder in den Fokus: Es steht die Frage im Raum, ob Frankreich andere europäische Länder unter seinen eigenen Atomschutzschirm nehmen könnte, um die Sicherheit auf dem Kontinent ohne die USA zu gewährleisten.

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