Das steckt dahinter

Legendäres Dorf will nicht mehr UNESCO-Weltkulturerbe sein

Was für viele Orte ein Ritterschlag ist, empfinden andere längst als Belastung: Ein kleines Dorf in der Slowakei will seinen Status als Unesco-Weltkulturerbe freiwillig abgeben 

Die Bewohner von Vlkolínec haben genug – von Touristen, Auflagen und einem Alltag, der sich wie ein Leben im Museum anfühlt.

Vlkolínec liegt abgelegen in den Karpaten und zählt mit seinen 43 bunt gestrichenen, holzvertäfelten Häusern zu den letzten erhaltenen Dörfern dieser Art in der Region. Vor mehr als drei Jahrzehnten wurde der Ort von der Unesco in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Organisation würdigte Vlkolínec als „bemerkenswert gut erhaltene mittelalterliche Siedlung“ und als umfassendstes Beispiel traditioneller Holzarchitektur in hügeligen und bergigen Regionen.

Leben im „toten Freilichtmuseum“

Doch was einst als Auszeichnung galt, ist für die verbliebenen Einwohner zur Last geworden. Laut Berichten der Katholischen Nachrichtenagentur sprechen die Bewohner von einem „toten Freilichtmuseum“. Täglich würden Touristen durch Vorgärten laufen, ungefragt in Fenster schauen und das Dorf wie eine Attraktion behandeln. Ein normales Leben sei kaum noch möglich.

Hinzu kommen strenge Auflagen, die mit dem Welterbe-Status einhergehen. Viehhaltung oder das Bestellen von Feldern seien untersagt – Einschränkungen, die den Alltag im Dorf zusätzlich erschweren. Jährlich strömen rund 100.000 Besucher nach Vlkolínec, obwohl dort inzwischen nur noch vier Familien leben.

Verzicht auf den Titel wohl kaum möglich

So verständlich der Frust der Bewohner auch ist: Eine Streichung von der Welterbe-Liste gilt als äußerst unwahrscheinlich. Dafür müssten sowohl die Unesco als auch die slowakische Regierung zustimmen. Ob es dazu kommt, ist offen.

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