Nach dem Mord an einem fünfjährigen Mädchen aus der indigenen Bevölkerung ist es in der australischen Stadt Alice Springs zu schweren Ausschreitungen gekommen.
Hunderte von Demonstranten stießen mit Einsatzkräften zusammen, wie die örtliche Polizei am Freitag mitteilte. Eine Menge von etwa 400 Menschen habe sich vor dem Krankenhaus versammelt, in dem der mutmaßliche Täter behandelt wurde. Die Menschen hätten versucht, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen.
Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Demonstranten hätten Wurfgeschosse eingesetzt und Feuer gelegt. Dabei seien mehrere Polizisten und Sanitäter verletzt sowie Polizeifahrzeuge, Krankenwagen und Feuerwehrautos beschädigt worden. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 47-jährigen Mann. Er wird verdächtigt, das Mädchen entführt und getötet zu haben. Der Polizeipräsident des Northern Territory, Martin Dole, sagte vor Journalisten, Anwohner hätten den Mann am Donnerstagabend gefunden und bewusstlos geschlagen, bevor die Polizei ihn festnahm. Der Verdächtige habe sich in einem der sogenannten "Town Camps" in Alice Springs gezeigt. "Daraufhin beschlossen die Mitglieder dieses Camps, Selbstjustiz an ihm zu üben", erklärte Dole. Der Mann sei zu seiner eigenen Sicherheit am frühen Freitagmorgen in die Hauptstadt des Territoriums, Darwin, verlegt worden. Er habe frühere Verurteilungen wegen Körperverletzung und sei erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden.
Indigene Australier fordern "Payback"
Das fünfjährige Mädchen war am späten Samstag aus ihrem Haus am Rande von Alice Springs verschwunden. Hunderte Freiwille suchten nach ihr. Ihre Leiche wurde am Donnerstag gefunden. Die Familie nennt das Mädchen nun in Übereinstimmung mit den Bräuchen der Ureinwohner "Kumanjayi Little Baby". Aufnahmen des australischen TV-Senders ABC zeigten, wie indigene Menschen "Payback" forderten. Damit ist in den Gesellschaften der Aborigines eine traditionelle, meist körperliche Bestrafung gemeint. Der australische Premierminister Anthony Albanese sagte, er verstehe "die Wut und Frustration der Menschen", rief die Gemeinschaft jedoch zur Einheit auf.
Indigene Australier machen etwa 3,8 Prozent der rund 27 Millionen Einwohner Australiens aus. Sie bewohnen das Land seit über 60.000 Jahren, sind jedoch bei fast allen wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren erheblich benachteiligt. Tausende, darunter auch das Opfer und seine Familie, leben in ärmlichen Siedlungen am Rande von Alice Springs, in denen die Wohnverhältnisse und die Versorgung oft unzureichend sind.