Nach der Katastrophe in Crans-Montana im Schweizer Kanton Wallis mit 40 Toten und 116 Verletzten kommen erschreckende Details ans Licht. Die Bar wurde seit 2020 nicht mehr kontrolliert. Regelmäßige Brandschutzkontrollen wurden völlig - gegen das Gesetz - versäumt.
Im Wallis seien viele Gemeinden mit ihren Kontrollen überfordert, äußerten ein Brandschutzexperte und die Zermatter Gemeindepräsidentin am Dienstag gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Man wolle die Bestimmungen für den Brandschutz nochmals neu anschauen.
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"Wenn ich da die Gemeinderessourcen anschaue, und da spreche ich sicher auch für andere Gemeinden, ist es oftmals ein Ressourcenproblem", sagte die Zermatter Gemeindepräsidentin Romy Biner. Bis letztes Jahr sei nur eine Person für die Kontrollen in Zermatt zuständig gewesen, nun sei eine weitere angestellt worden. Man arbeite neu mit der Berner Gebäudeversicherung zusammen. "Vorher hatte man die Kontrollen immer durchgeführt, aber nicht in demselben Rhythmus, wie es das Gesetz verlangen würde", sagte Biner weiter.
Im Wallis sind die Gemeinden für die Kontrollen der Brandschutzvorgaben zuständig. Nach der schlimmen Tragödie seien die Behörden und die Bevölkerung neu sensibilisiert. Der Walliser Brandschutzexperte Hugo Cina sagte, sein Wunsch wäre, dass sich die Gemeinden zusammentun und regional einen Brandschutzexperten ernennen würden, der diese Aufgabe übernimmt. Denn viele für den Brandschutz verantwortliche Personen seien zu wenig ausgebildet.
Bar wurde seit Jahren nicht kontrolliert
Die Bar selbst, in der 40 Menschen ums Leben gekommen sind, war seit Jahren nicht mehr von den Behörden kontrolliert worden. Von 2020 bis 2025 habe es in dem Lokal "Le Constellation" keine Brandschutz- und Sicherheitskontrollen gegeben, räumte Bürgermeister Nicolas Féraud am Dienstag bei einer Pressekonferenz ein: "Wir bereuen das bitterlich."
Das Walliser Gesetz schreibt vor, dass öffentlich zugängliche Gebäude jährlich bezüglich des Brandschutzes kontrolliert werden. Der Gemeinderat bedauere es zutiefst, dass es eine Lücke bei den periodischen Kontrollen gegeben habe, meinte Féraud. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 hätten die Behörden keine Mängel an der verbauten Lärmschutz-Decke festgestellt.
Dass die Gemeinde Crans-Montana als Nebenklägerin am Strafverfahren teilnehmen will, ist für Féraud kein Widerspruch. "Wir sind auch Opfer und Betroffene dieses Dramas." Die Justiz werde entscheiden, ob die Gemeinde als Nebenklägerin akzeptiert wird. Die Gemeinde habe alle relevanten Unterlagen zum Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.
Bürgermeister: "Sind sehr traurig"
"Wir sind sehr traurig", sagte Féraud auf mehrere Fragen von Medienschaffenden, ob er sich bei den Opferfamilien entschuldigen wolle. "Sollte es eine strafrechtliche Verantwortung geben, werden wir als Gemeinde dazu stehen." Er vertraue der Justiz.
Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar ins neue Jahr feierten. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig, das jüngste war erst 14 Jahre alt. Den Ermittlungen zufolge wurde die Feuersbrunst in der Keller-Bar offenbar durch an Sektflaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst, die zu nahe an die Decke gehalten wurden. Gegen die Betreiber des Lokals wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.
Gedenkfeier am Freitag
Indes wird am Freitag die Gedenkfeier für die Opfer des Brandes in Martigny VS stattfinden. Der Grund dafür sind die für das Wochenende erwarteten Schneefälle und Sicherheitsbedenken. Die Vorbereitungen für diese Zeremonie, die anlässlich eines nationalen Trauertages stattfinden wird, "sind im Gange", wie der Staat Wallis am Dienstag in einem Communiqué mitteilte. Der offizielle Teil beginnt um 13.45 Uhr im Ausstellungs- und Versammlungszentrum von Martigny.
Für die Bevölkerung von Crans-Montana wird auf Anmeldung eine Übertragung der Zeremonie im Kongresszentrum Le Régent organisiert, "um an diesem Tag der nationalen Trauer einen Moment der Besinnung und der Solidarität zu teilen", so die Mitteilung weiter. Um 14.00 Uhr werden alle Schweizer Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten.
Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella wird an der Gedenkzeremonie für die Opfer der Tragödie von Crans-Montana teilnehmen. Das verlautete aus diplomatischen Kreisen in Rom. Die Schweizerische Eidgenossenschaft hatte die Staats- und Regierungschefs der von der Tragödie betroffenen Länder zur Gedenkzeremonie eingeladen. Am Freitag ist außerdem in Rom eine Messe zu Ehren der sechs italienischen Opfer des Brandes geplant. An dem Gottesdienst werden sich die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und andere hochrangige Politiker beteiligen.
Meloni telefonierte mit Angehörigen der jungen Todesopfer
"Die Bilder der Rückkehr der Leichen der Opfer der Tragödie von Crans-Montana nach Italien haben uns alle tief bewegt. In diesem Moment großen Schmerzes möchte ich den Familien der Opfer erneut mein Beileid aussprechen, die diesem verheerenden Moment mit Würde und Stärke begegnen. Ihnen gilt unsere aufrichtige Anteilnahme", schrieb Meloni in ihren sozialen Netzwerken. Sie selber telefonierte mit einigen Angehörigen der Opfer.
Bei den italienischen Toten handelt es sich um sechs Teenager im Alter von 15 und 16 Jahren. Elf Personen werden wegen schweren Brandwunden im Mailänder Krankenhaus Niguarda behandelt.