Wikileaks: USA sehen Berlusconi als Clown

Geheime Dokumente

Wikileaks: USA sehen Berlusconi als Clown

US-Botschafter: "Er hat das Ansehen des Landes in Europa beschädigt."

Washington sieht den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi nach den Dokumenten des Internet-Enthüllungsportals Wikileaks offenbar als Politclown an. Mit seinen häufigen Ausrutschern und verbalen Fehltritten habe Berlusconi im Laufe der Zeit fast jeden politischen Führer in Europa beleidigt.

Für die USA bleibt Berlusconi aber der Mann, um den man nicht herum komme. Dies geht aus geheimen und vertraulichen Dokumenten der US-Botschaft in Rom hervor, die italienische Medien seit Freitag nach Wikileaks veröffentlichen.

Mehr als 300.000 Seiten dokumentierten eine kritische und bissige US-Einschätzung des Verbündeten Italien, wobei der Niedergang der internationalen Rolle des Landes eng mit der Person Berlusconi verbunden werde. So fasst die römische Tageszeitung "La Repubblica" zusammen, was in den Jahren von 2002 bis 2010 von Rom nach Washington gekabelt worden ist. Zusammen mit dem Magazin "L'Espresso" begann "La Repubblica" am Freitag damit, Dokumente vorzustellen. Beide gehören zu den schärfsten Anti-Berlusconi-Printmedien in Italien.

"Sein Wille, die persönlichen Interessen über die des Staates zu stellen, hat das Ansehen des Landes in Europa beschädigt", wird der US-Botschafter in Rom zitiert. Das Prestige Italiens habe in vielen Teilen der US-Regierung durch Berlusconi einen "komischen Farbton" angenommen. Dies wurde noch vor den Sexaffären um minderjährige Prostituierte beschrieben, die Berlusconi jetzt vor Gericht bringen.

"Der langsame, aber stetige Niedergang der italienischen Wirtschaft beeinträchtigt die Fähigkeit des Landes, auf der internationalen Bühne eine Rolle zu spielen", kabelte die Botschaft noch. Die Partner hätten dabei den Eindruck einer ineffizienten und unverantwortlichen Regierungsführung. Und dennoch bringe die Zusammenarbeit mit dem Italien des schwachen Berlusconi den USA "jetzt und zukünftig wichtige strategische Dividenden". Wirkliche Sorgen bereitete das enge Verhältnis Berlusconis zu dem früheren russischen Präsidenten und heutigen Regierungschef Wladimir Putin.

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