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Mailand

Berlusconi-Prozess vertagt

Unregelmäßigkeiten beim Erwerb von Filmrechten: Italiens Oppositionschef will im Bestechungsverfahren 180 Zeugen vorladen lassen.

Der neue Korruptionsprozess gegen den früheren italienischen Ministerpräsidenten, Silvio Berlusconi, hat am Dienstagvormittag in Mailand begonnen, wurde jedoch sofort auf den kommenden Montag vertagt. Die Rechtsanwälte Berlusconis reichten Einspruch wegen angeblicher Voreingenommenheit eines Richters ein, der bereits an weiteren Verfahren gegen den Medientycoon teilgenommen hatte. Diese Tatsache garantiere kein faires Urteil von Seiten des Richters, bemängelten Berlusconis Verteidiger. Der Präsident des Mailänder Gerichts muss nun entscheiden, ob der Richter enthoben werden soll.

In dem Verfahren müssen sich Berlusconi, sein britischer Rechtsanwalt David Mills und weitere sieben Personen wegen Unregelmäßigkeiten beim Erwerb von Filmrechten vor Gericht verantworten. Im Prozess geht es um Vorwürfe, wonach Berlusconis Unternehmen Mediaset in den 90er Jahren Filmrechte über Firmen in Steueroasen kaufte. Den italienischen Finanzbehörden sollen überhöhte Kaufpreise angegeben worden sein, um Steuern zu sparen. Angeklagt ist auch Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri.

180 Zeugen
Die Ermittler hegen den Verdacht, dass Berlusconi entweder selbst oder über Mittelsmänner die Zahlungen getätigt hat. Mills gilt als Schlüsselfigur in der Affäre. Berlusconi will 180 Zeugen zu seiner Verteidigung vorladen lassen. Zu ihnen zählen mehrere Manager der größten Filmproduktionsgesellschaften Hollywoods wie Paramount, Columbia Tristar, Warner Bros und 20th Century Fox.

Indes hat Berlusconi einen Bericht der rechten Tageszeitung "Libero" dementiert, demzufolge er sich aus der Politik zurückziehen wolle. "Ich habe keinerlei Absicht, vor der Verantwortung zu flüchten, die mir die Wähler anvertraut haben. Ich habe keine Rückzugsabsichten aus der Politik", sagte Berlusconi nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Berlusconi betonte, er habe im Gespräch mit "Libero" lediglich behauptet, dass er im Fall eines Sturzes der Regierung Prodi nicht bereit sei, einer Großen Koalition nach deutschem Modell beizutreten. Der Oppositionschef bestritt auch den "Libero"-Bericht, nach dem er seine Biografie verfasst habe.



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