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Italien-Wahl

Berlusconi vor Comeback

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Die Italiener können es nicht lassen: Bereits zum dritten Mal dürften sie Silvio Berlusconi zum Ministerpräsidenten machen. Die Misere des Landes hilft dem „Cavaliere“.

Zum Wahlkampf-Finale haben die beiden aussichtsreichsten Kandidaten noch einmal alles aufgeboten: Silvio Berlusconi peitschte seine Auftritte mit der italienischen Nationalhymne ein und köderte seine Wähler noch mit einem letzten (unfinanzierbaren) Wahlzuckerl: „Weg mit den Kfz-Steuern!“, donnerte der „Cavaliere“ von seinem Rednerpult – freilich ohne zu sagen, wie er die vier Milliarden Euro, die diese Maßnahme kosten würde, zu finanzieren gedenkt. Berlusconis Kontrahent Walter Veltroni, der an der Spitze des Mitte-Links-Bündnisses steht, versammelte 100.000 Anhänger in Mailand und ließ den Glanz von Hollywood-Star und Gutmensch George Clooney auf sich abfärben.

Zwei Wahltage
Die 50 Millionen Italiener, die heute und morgen dazu aufgerufen sind, ihre Stimme abzugeben, dürften Berlusconi trotz seiner vielen gebrochenen Versprechen zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten ihres Landes wählen. Sein Mitte-Rechts-Bündnis führt in allen Umfragen vor den Wahlen mit fünf bis neun Prozentpunkten.

Skandale helfen
Dem derzeitigen Oppositionschef und Führer der neuen Partei der Freiheit hilft neben seinem markigen Spruch auch die Misere, in der sich Italien momentan befindet. Neben den schlechten Wirtschaftsdaten beutelt das Land ein Skandal nach dem anderen. Zuerst versanken ganze Städte im Müll, dann fand sich im Mozzarella Dioxin, im Wein Salzsäure und im Olivenöl Rapsöl – angeblich stecken Machenschaften der Mafia dahinter. Zuletzt verhinderten die Gewerkschaften die Übernahme der krisengeschüttelten Fluglinie Alitalia. Da kommt Messias Berlusconi mit seinen Heilsversprechen gerade recht. Zudem weiß er die Leute noch immer zu unterhalten – schlimmstenfalls mit frauenfeindlichen Altherren-Schmähs: „Ich habe gelernt, alle zehn Minuten einen Witz zu machen, das hält die Stimmung“, verrät Berlusconi sein Erfolgsrezept.

Seriosität
Gegenspieler Walter Veltroni, der die Demokratische Partei anführt, wirkt gegen Berlusconi brav und harmlos. Gerade seine Seriosität könnte aber auch die letzte Chance sein, doch noch den Wahlsieg für die Linke einzufahren.

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