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9/11

Bush "sah aus, als müsse er weinen"

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Vor fünf Jahren ereigneten sich die Terroranschläge in den USA. President Bush war zu dem Zeitpunkt in einer Schule. Die Anwesenden erinnern sich an die Reaktionen des US-Präsidenten.

Bush wollte in der Emma-E.-Booker-Grundschule in einem der ärmsten Viertel Sarasotas für eine landesweite Kampagne zur Förderung des Lesens werben. Als er um neun Uhr morgens dort ankam, wusste er bereits, dass eine Viertelstunde zuvor ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers geflogen war. Dennoch setzte sich Bush ins Klassenzimmer, um den Zweitklässlern beim Vorlesen zuzuhören.

Bush´s Gesicht wurde rot
Um 09.05 Uhr flüsterte Stabschef Andrew Card dem Präsidenten die Nachricht ins Ohr, dass ein zweites Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers gestürzt war. Die Szene ist auf einem Foto der Nachrichtenagentur AP festgehalten. In der linken Ecke des Bildes ist Tyler Radkey abgebildet.

Bushs Gesicht sei plötzlich rot geworden, erinnert sich der heute 13-Jährige. "Ich dachte, dass er mal auf die Toilette müsste." Und seine Klassenkameradin Natalia Jones-Pinkey sagt: "Er sah irgendwie so aus, als müsse er weinen."

Kritik an Reaktion
Wegen der folgenden sieben Minuten, in denen Tyler und Natalia weiter vorlasen und der Präsident zuhörte, wurde Bush immer wieder kritisiert. Filmemacher Michael Moore verwendete die Aufnahmen aus der Schule, um Bush in seinem Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" bloßzustellen.

Danach Rede an die Nation
Um 09.31 Uhr ging Bush in die Schulbibliothek und wandte sich in einer kurzen Ansprache an die Nation. Die Fernsehbilder dieses Morgens zeigen auch den Schüler Michael Alexander, wie er stolz neben dem Präsidenten steht. Wenige Augenblicke später lag seine heile Kinderwelt in Scherben.

Eigentlich sollte Bush über die guten Leistungen der Schüler im Lesen sprechen. Doch die Worte, die aus dem Mund des Präsidenten kamen, waren für Michael nur schwer zu verstehen: "nationale Tragödie", " Flugzeuge abgestürzt", "terroristischer Angriff". Michael war so fassungslos, dass er vergaß, seinen Kopf zu beugen, als zu einem Moment der Stille aufgerufen wurde.

"Da bin ich, genau da", sagt Michael knapp fünf Jahre später und zeigt auf dem Bildschirm auf den verwirrten Jungen, der als zweiter von rechts neben dem Präsidenten steht. "Ich versuche gerade zu begreifen, was passiert", erinnert sich der 15-Jährige.

Bildungsminister redete vom Lesen
Nach der Schweigeminute verließ Bush die Schule - und plötzlich folgte alles dem ursprünglichen Protokoll. Bildungsminister Rod Paige redete vor den benommenen Schülern und Lehrern darüber, wie wichtig Lesen ist.

"Es war so unwirklich", sagt die Sprecherin der Schule, Sheila Weiss. "Jeder wollte raus und erfahren, was da passiert ist. Aber wir konnten nicht weg." Als die letzten Politiker die Schule verlassen hatten, brannte das Pentagon, und die Zwillingstürme des World Trade Centers waren eingestürzt. Flug 93 der United Airlines zerschellte auf einem Feld in Pennsylvania.

Jeden Moment kann alles passieren
"Ich habe viel gelernt" , sagt Byron Mitchell. Auch er war damals mit Bush in der Bibliothek. " Ich habe gelernt, dass jeden Moment alles passieren kann." Byron und Michael sind noch immer Freunde.

Gemeinsam blättern sie das Buch durch, mit dem die Schule an den 11. September 2001 erinnert. "Das war der größte Tag in meinem Leben ", sagt Byron, der jetzt in die zehnte Klasse geht. "Ich würde nicht sagen, dass ich mittendrin war, aber ich war ein Teil davon."

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