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Iran

Dänische Botschaft attackiert

Demonstranten griffen aus Wut über das Mohammed-Video mit Brandbomben die diplomatische Vertretung Dänemarks im Iran an.

Nach dem Spott dänischer Rechtspopulisten über den Propheten Mohammed haben Demonstranten Dienstag Abend die dänische Botschaft in Teheran mit Brandsätzen angegriffen. Die dänische Regierung hofft jetzt, dass Freitagsprediger die Stimmung nicht noch weiter anheizen.

20 bis 50 Menschen hätten gestern Abend etwa eine halbe Stunde lang vor der dänischen Botschaft in Teheran demonstriert, sagte der dänische Botschafter im Iran, Sören Haslund. Die Demonstranten hätten etwa 20 Molotowcocktails über die Mauer geworfen, die das Botschaftsgelände umgibt, und "Nieder mit den Zionisten" gerufen. Die Brandsätze hätten sich auf der Rasenfläche vor der Botschaft entzündet. Iranische Sicherheitskräfte hätten das Feuer schnell gelöscht, erklärte der Diplomat weiter.

Am Gebäude selbst entstanden nach Angaben des Botschafters keine Schäden. Er selbst sei über den Angriff nicht überrascht gewesen, schon am Wochenende sei eine Sicherheitsmauer um das Gelände errichtet worden - mit Angriffen wurde nach der Veröffentlichung des Videos, auf dem dänische Rechtspopulisten den Propheten Mohammed unter anderem als Bier trinkendes Kamel und als betrunkenen Terroristen gezeichnet hatten, also gerechnet.

Weitere Proteste angekündigt
Für Mittwoch haben iranische Demonstranten weitere Proteste gegen Dänemark angekündigt. Anfang der Woche war laut iranischer Nachrichtenagentur IRNA der Botschafter des EU-Ratsvorsitzlandes Finnland, Heikki Puurunen, wegen der Mohammed-Beleidigungen ins Außenministerium in Teheran zitiert worden.

Angesichts der Ausschreitungen erklärte der dänische Außenminister Per Stig Möller, die kommenden Freitagspredigten in den Moscheen der islamischen Welt seien ein Lackmustest, ob die religiösen Führer den veröffentlichten Film ausnutzen, um neue Proteste gegen Dänemark anzufachen. "Die ganze Situation hängt davon ab, wie die Freitagsprediger reagieren", zitiert die Zeitung "Jyllands-Posten" Möller. Dänemark selbst habe kaum Einfluss darauf, wie sich die Situation weiter entwickle.

Aufrufe zum Boykott
Wie "Jyllands-Posten" weiter berichtet, haben gestern zahlreiche iranische Politiker einen Brief unterschrieben, in dem sie den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad dazu auffordern, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Dänemark abzubrechen. Der einflussreiche arabische Fernsehprediger Yussuf al-Qaradawi hat alle Muslime dazu aufgerufen, den wirtschaftlichen und kulturellen Boykott gegen Dänemark wieder aufzunehmen. Während des Karikaturenstreits im vergangenen Winter waren in mehreren muslimischen Ländern dänische Waren boykottiert worden, dänische Botschaften wurden angegriffen, dänische Flaggen verbrannt.

Wie das Außenministerium in Kopenhagen erklärte, sind wegen der neuesten Ausschreitungen bisher aber noch keine dänischen Diplomaten aus der islamischen Welt nach Hause beordert worden. Das Ministerium habe auch keine Auskünfte über einen Boykott dänischer Waren, berichtet die "Jyllands-Posten".

Am Donnerstag, also noch vor dem islamischen Gebetstag Freitag, will der Rat der Dänischen Muslime (DMF) gemeinsam mit der Gruppe "Defending Dänemark" den Botschaftern der moslemischen Länder ein Fax mit einer Erklärung zukommen lassen. Darin sollen laut dem DMF-Vorsitzenden Abdul Wahid Pedersen "einige Missverständnisse" im Zusammenhang mit dem umstrittenen Video ausgeräumt werden.

Pedersen sagte am Mittwoch, die Veröffentlichung des Videos sei "richtig" gewesen, weil es wichtig sei, die Haltung von Jugendpolitikern zu beleuchten. Dabei gehe es aber "ausschließlich um eine innenpolitische Aktion", die keinesfalls darauf abziele Moslems zu provozieren". Der DMF wurde erst kürzlich als Dachverband der verschiedenen moslemischen Gemeinden in Dänemark ins Leben gerufen.

Kritik auch aus Indonesien
Unterdessen hat die indonesische Regierung die Mohammed-Zeichnungen der jungen Rechtspopulisten aufs Schärfste verurteilt. Der indonesische Außenminister habe bekräftigt, dass sein Land Demokratie und Meinungsfreiheit respektiere, berichtet die dänische Zeitung "Politikken". Indonesien könne aber als Land, in dem weltweit die meisten Muslime leben, religiöse Beleidigungen nicht akzeptieren, sagte der Außenminister weiter.

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