US-Vizepräsident JD Vance hat die Europäer gewarnt, dass es Präsident Donald Trump mit seinen Äußerungen zu Dänemark ernst meine.
"Mein Rat an die europäischen Staats- und Regierungschefs und alle anderen wäre, den Präsidenten der Vereinigten Staaten ernst zu nehmen", antwortete Vance, als er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus zu Grönland befragt wurde.
Trump hatte am vergangenen Sonntag den US-Anspruch auf das zu Dänemark gehörende Grönland bekräftigt: "Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit", sagte er. "Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen."
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Nach dem US-Militärangriff auf Venezuela und der Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro sind die Ängste bei westlichen Partnern der USA gewachsen, dass Trump seine Drohungen über eine Einnahme des rohstoffreichen und geostrategisch günstig gelegenen Grönlands in die Tat umsetzen könnte. Am Dienstag veröffentlichten mehrere Staats- und Regierungschefs eine Erklärung, in der sie Dänemark ihre Unterstützung zusicherten.
Grönlands Opposition: Direktgespräche mit USA ohne Dänemark
In Grönland forderte Oppositionsführer Pele Broberg unterdessen direkte Gespräche mit den USA unter Umgehung Dänemarks. Dänemark verärgere mit seiner Vermittlung sowohl Grönland als auch die USA, hieß es am Donnerstag. Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt wies die Forderung umgehend zurück und erklärte, dies sei rechtlich nicht zulässig.
"Wir ermutigen unsere Regierung, einen Dialog mit der US-Regierung ohne Dänemark zu führen", sagte indes der Chef der größten Oppositionspartei Naleraq der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir müssen das Gesetz respektieren, und wir haben Regeln, wie Probleme im Königreich gelöst werden", sagte sie der Zeitung "Sermitsiaq".
US-Außenminister Marco Rubio will sich kommende Woche mit dem dänischen Außenminister treffen. Motzfeldt sagte, sie hoffe, das Treffen werde zu einer Normalisierung der Beziehungen führen.
Die NATO-Botschafter in Brüssel erörterten das Thema am Donnerstag und waren sich nach Angaben von Insidern einig, dass das Bündnis die Sicherheit in der Arktis stärken müsse. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, der Block werde reagieren, sollten sich die US-Pläne konkretisieren. "Die Botschaften, die wir hören, sind äußerst besorgniserregend", fügte sie hinzu.
Trump droht mit Übernahme Grönlands
Hintergrund sind die jüngsten Drohungen Trumps, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen. Er greift damit eine Idee wieder auf, die er bereits 2019 während seiner ersten Amtszeit geäußert hatte. Die Insel ist strategisch zwischen Europa und Nordamerika gelegen und reich an Bodenschätzen, was Washingtons Ziel entgegenkommt, die Abhängigkeit von China zu verringern.
Das Weiße Haus hatte zuletzt am Dienstag erklärt, der Erwerb Grönlands habe für die nationale Sicherheit der USA Priorität und sei entscheidend, um Gegner in der Arktis abzuschrecken. Trump und sein Stab diskutierten dafür eine Reihe von Optionen, darunter auch den Einsatz des Militärs. Mehrere europäische Staaten haben die USA vor einer Annexion Grönlands gewarnt.
Die Insel ist ein autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark, jedoch hat Kopenhagen die Hoheit über Außen- und Verteidigungspolitik. Brobergs Partei Naleraq, die eine rasche Unabhängigkeit anstrebt, verdoppelte bei der Wahl im vergangenen Jahr ihre Sitze auf acht und erhielt 25 Prozent der Stimmen. Sie schlägt eine "freie Assoziierung" mit den USA vor, bei der Grönland im Gegenzug für Militärrechte US-Unterstützung erhalten würde, ohne US-Territorium zu werden. Alle Parteien Grönlands streben die Unabhängigkeit der Insel an, sind sich jedoch uneins über den Weg und den Zeitpunkt.