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Bosnien-Herzegowina

Nationalistische Kroaten drohen mit Abspaltung

Nach den allgemeinen Wahlen in Bosnien-Herzegowina vom vergangenen Sonntag gärt es in Teilen der kroatischen Volksgruppe.

Nach den Wahlen in Bosnien-Herzegowina laufen die nationalistischen Kräfte der kroatischen Volksgruppe weiter Sturm gegen das Ergebnis. Sie kritisieren, dass der Kandidat der multiethnischen Sozialdemokratischen Partei, Zeljko Komsic, zum Vertreter der Kroaten im dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidium gewählt wurde. Nach Ansicht der Kroatisch-Demokratischen Gemeinschaft erhielt Komsic auf Grund des Wahlrechts in der bosniakisch-kroatischen Föderation aber vor allem Stimmen der muslimischen Bosniaken. Komsic repräsentiere daher nicht das kroatische Volk in Bosnien-Herzegowina, von dem er gerade fünf Prozent der Stimmen bekommen habe.

Multiethnische Verwaltung
Die Bosniaken (Moslems) stellen rund 48 Prozent der Bevölkerung, die Serben 37 Prozent und die Kroaten14 Prozent . An sich sind die Bosniaken nach der Wahl durch den früheren Außenminister Haris Silajdzic von der Partei für Bosnien-Herzegowina vertreten. Für die serbische Bevölkerung zog Nebojsa Radmanovic vom Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten in das Gremium ein. In dem nach ethnischen Prinzipien dreifach besetzten Staatspräsidium wechseln sich alle acht Monate ein Serbe, ein Kroate und ein Moslem (Bosniake) als Präsident ab.

Abspaltung angedroht
Nachdem Komsic, zum künftigen Vertreter der kroatischen Volksgruppe im dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidium gewählt wurde, drohen nationalistische Politiker sogar mit einer Trennung von Bosnien-Herzegowina. In der kroatischen Hauptstadt Zagreb wurde auf diese Aussagen offiziell kühl reagiert: "Ich kommentiere die Aussagen von Jovic nicht", erklärte HDZ-Ministerpräsident Ivo Sanader, "das Wahlergebnis spricht für sich selbst. Die bosnisch-kroatische Politik darf und wird nicht in Zagreb gemacht werden."

Der Hintergrund
Bosnien-Herzegowina ist seit dem Friedensvertrag von Dayton 1995 in die bosniakisch-kroatische Föderation und die Republika Srpska geteilt. Zuletzt mehrten sich im bosnisch-serbischen Landesteil Stimmen, die im Falle einer Unabhängigkeit des Kosovo ein entsprechendes Referendum für die Republika Srpska fordern. Vor einigen Tage schloss die Republika Srbska einen umstrittenen Sondervertrag mit Serbien ab.

Mit dem neuen Abkommen zwischen Belgrad und Banja Luka soll die Zusammenarbeit vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Planung, Privatisierung, Wissenschaft, Technologie, Kultur und Sport gefördert werden. Einwände gegen das Abkommen kamen vor allem von bosniakischen (moslemischen) Politikern.



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