Vatikan-Sprecher

Papst war unfreiwillig in Hitler-Jugend

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Vatikan-Sprecher Lombardi behauptete zunächst, dass Benedikt XVI. nie in der HJ war. Nachdem "Haaretz" auf das Geständnis des Papstes in seiner Autobiografie hinwies, ruderte Lombardi zurück.

Die israelische Zeitung "Haaretz" hat der Darstellung von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi widersprochen, wonach Papst Benedikt XVI. entgegen anderslautenden Berichten "nie, nie, nie" in der Hitlerjugend (HJ) gewesen sei. Nachdem Journalisten darauf hingewiesen hätten, dass der damalige Kardinal Joseph Ratzinger in dem 1996 erschienen autobiografischen Buch "Salz der Erde" selbst von seiner HJ-Mitgliedschaft berichtet hatte, habe Lombardi eingeräumt, dass der heutige Papst damals "unfreiwillig" dabei habe mitmachen müssen.

Mitgliedschaft war Pflicht
Von 1941 an, als Ratzinger 14 Jahre alt war und ein Priesterseminar besuchte, galt die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend quasi als Pflicht. "Das war schwierig", sagte Ratzinger in seiner als Interview aufgemachten Autobiografie "Salz der Erde" dem Journalisten Peter Seewald, "weil die Schulgeldermäßigung, die ich wirklich nötig hatte, mit dem Nachweis des HJ-Besuchs verbunden war". Sein Mathematiklehrer, selbst ein Nazi, "aber ein redlicher Mann", habe ihm damals den freundschaftlichen Tipp gegeben, "geh doch einmal hin, damit wir das haben".

1943 wurde der Schüler nach Angaben von "Welt Online" als Flakhelfer eingezogen, zu einer Stellung, die das BMW-Werk für Flugzeugmotoren gegen Luftangriffe verteidigen sollte. Ratzinger sagte später wiederholt, er habe während dieser Zeit keinen einzigen Schuss abgefeuert. 1944 wurde er an die österreichisch-ungarische Grenze versetzt, wo er Panzerminen legte. Gegen Ende des Krieges - Ratzingers Einheit stand inzwischen in Bayern - konnte er desertieren und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Kritik von Rivlin
Israels Parlamentspräsident Reuven Rivlin hatte am Dienstag unter Hinweis auf die frühere HJ-Mitgliedschaft des Papstes dessen Rede in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem kritisiert. "Bei allem gebotenen Respekt gegenüber dem Heiligen Stuhl, wir können die Verantwortung, die auf ihm lastet nicht ignorieren, zumal er als junger Deutscher der Hitlerjugend beigetreten ist und auch in Hitlers Armee diente, die ein Instrument zur Ausrottung war", sagte Rivlin im israelischen Radio.

"Er ist zu uns gekommen und hat zu uns gesprochen als wäre er ein Historiker, jemand Außenstehender, der über Dinge redet, die nicht hätten passieren dürfen. Und was kann man tun? Er war Teil von ihnen", meinte der Likud-Politiker.

Der Papst hatte bei seiner Rede in Yad Vashem die "schreckliche Tragödie der Shoah" beklagt. Einige religiöse jüdische Führer zeigten sich aber enttäuscht und meinten, Benedikt hätte sich als Deutscher und Christ für den Völkermord entschuldigen sollen.

Am Mittwoch besuchte Benedikt XVI. Bethlehem, den Geburtsort von Jesus. Bei seinem Besuch sprach sich der Papst für einen souveränen Palästinenser-Staat aus.

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