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30 Verschleppte

Wieder Massenentführung im Irak

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Bewaffnete in Militäruniformen haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad am Sonntag bis zu dreißig Mitarbeiter des Roten Halbmonds und Sicherheitsmänner entführt. Die Hilfsorganisation hat daraufhin die Arbeit eingestellt.

Die Entführer seien gewaltsam in ein Büro der Hilfsorganisation eingedrungen und hätten zunächst Frauen und Männer getrennt, sagte ein Sprecher des Roten Halbmonds. Dann hätten die Kidnapper zwischen 25 und 30 Männer in Autos mit zivilen Kennzeichen verschleppt.

Arbeit eingestellt
Die Hilfsorganisation hat daraufhin ihre Arbeit in der irakischen Hauptstadt gestoppt. Sie solle erst wieder aufgenommen werden, wenn alle der 30 Verschleppten wieder frei seien, sagte der Generalsekretär der Organisation im Irak, Masen Abdullah.

Der Großteil der Arbeit des Roten Kreuzes (IKRK) im Irak läuft über den Roten Halbmond. Er ist mit seinen 1000 Mitarbeitern und 200.000 Freiwilligen die einzige Hilfsorganisation, die in allen 18 Provinzen des Landes agiert. In Bagdad hat er 40 Büros. Die Vertretungen in anderen Landesteilen arbeiten Abdullah zufolge normal weiter. Auch das IKRK forderte eine sofortige Freilassung der Entführten.

IOC-Präsident unter Entführten
Der Rote Halbmond arbeitet im Irak mit rund 1.000 Angestellten und 200.000 Freiwilligen. Erst am Donnerstag waren dreißig Iraker in Bagdad verschleppt worden. In den vergangenen Wochen und Monaten war es immer wieder zu derartigen Massenentführungen gekommen. Unter den Verschleppten befindet sich der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Ex-General Ahmed al-Hijiya.

Drei US-Soldaten getötet
Bei einem Angriff auf eine US-Militärpatrouille sind nördlich von Bagdad drei amerikanische Soldaten getötet worden. Das teilten die US-Streitkräfte im Irak am Sonntag mit. In der Nähe ihres Fahrzeugs sei ein an der Straße versteckt gewesener Sprengsatz gezündet worden, der drei Soldaten getötet und einen weiteren verwundet habe. Die Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten stieg in diesem Monat damit auf 57. Seit der Invasion im März 2003 sind im Irak rund dreitausend US-amerikanische Militärangehörige ums Leben gekommen.

Versöhnungskonferenz
Am Samstag hatte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor einer "nationalen Versöhnungskonferenz" in Bagdad angekündigt, dass seine Regierung beim Aufbau der Armee auch auf frühere Offiziere des gestürzten Baath-Regimes von Ex-Diktator Saddam Hussein zurückgreifen wolle. Nach der US-Invasion hatte der amerikanische Verwalter Paul Bremer die von Sunniten befehligte irakische Armee kurzerhand aufgelöst. Die USA haben den Vorstoß zur Wiedereingliederung ehemaliger Militärangehöriger in die irakische Armee begrüßt. Washington sei "ermutigt" von Malikis Rede, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Gordon Johndroe.

Polizei fand mehr als 50 Leichen
Die irakische Polizei hat am Samstag mehr als 50 Leichen in der Hauptstadt Bagdad gefunden. Alle Opfer seien Männer und alle seien am selben Tag getötet worden, teilten die Sicherheitskräfte mit. 15 von ihnen wurden demnach am selben Ort, in Gasaliyah im Nordwesten der Hauptstadt, gefunden. Die Sicherheitskräfte finden täglich Dutzende Leichen im Irak, viele von ihnen weisen Spuren von Hinrichtungen auf.

Blair in Bagdad
Der britische Premierminister Tony Blair ist am Sonntag bei einem überraschend Besuch in Bagdad mit Ministerpräsident Maliki zusammengetroffen. Mit seiner Reise will Blair nach Angaben eines Regierungssprechers in erster Linie seine Unterstützung in der "sehr schwierigen" Situation im Irak deutlich machen. Blair erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Maliki, Pläne zum Abzug britischer Soldaten seien voll mit der irakischen Regierung abgestimmt.

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