Blumenregen für die Opern-Primadonna

Opernkritik

© APA/HERBERT P. OCZERET

Blumenregen für die Opern-Primadonna

Edita Gruberova ist ein gegen alle Naturgesetze verstoßendes Phänomen. Vor vierzig Jahren debütierte die Königin der Koloraturen im slowakischen Banská Bystrica als schwindsüchtige Kokotte Violetta Valery in Giuseppe Verdis Seelen-Melodram La traviata. Damals war sie 22. Gestern sang sie im Musikverein ebendiese Rolle zum letzten Mal – mit größter sängerischer Virtuosität, einem Höchstmaß an technischer Kontrolle und darstellerischer Virtuosität.

Mit halsbrecherischen Koloraturen, strahlenden Spitzentönen, gehauchten Pianissimi und endlosem Atem überzeugte sie das Publikum davon, dass ihre Stimme noch immer so makellos schön und jugendlich ist wie zu Beginn ihrer einzigartigen Karriere.

Als sie am Ende des ersten Akts in Sempre libera mit perlenden Koloraturkaskaden direkt in den Himmel fuhr, brach das Publikum in Bravos aus (Peter Dusek, langjähriger Präsident der Opernfreunde, stürmte, mit einer weißen Rose bewaffnet, an die Rampe).

Liebende
Begleitet wurde Gruberova vom Münchner Opernorchester unter der routinierten Leitung von Marco Armiliato, und auch ihre Partner konnten sich hören lassen: Der junge Tenor Pavol Breslik überzeugte als schwärmerischer Liebhaber Alfredo Germont, der Italiener Paolo Gavanelli beeindruckte mit orgelndem Bariton als spießiger Vater Giorgio Germont, der das Glück der Liebenden zerstört.

Am Schluss, nach Violettas trauriger Abschiedsarie Addio, del passato, der Rückkehr Alfredos und dem letzten Aufbäumen vor dem Tod: Ein Blumenregen für die Primadonna und Standing Ovations.

Autor: E. Hirschmann
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