Nova Rock wird zur Hitzeschlacht Nova Rock wird zur Hitzeschlacht

36 Grad

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Nova Rock wird zur Hitzeschlacht

Die Temperatur am Nova Rock 2010 ist am Freitagnachmittag mit der Lautstärke von den Bühnen angestiegen: 36 Grad wurden vermeldet, während Airbourne eine wilde Show auf einer der beiden Hauptbühnen abzogen. "Also ich würde jetzt am liebsten in einer Badewanne mit Eiswürfeln legen", sagte Kate Nash, die später auf der "Red Stage" auftreten sollte. Zahlreiche Fans hatten tatsächlich Planschbecken auf das Gelände in Nickelsdorf im Burgenland mitgebracht.

  • Alle Bilder von der Party abseits der Bühnen finden sie ab Samstag auf society24.

Gelassener als seine britische Kollegin nahm es Slash: "Ich habe als Jugendlicher oft Festivals besucht. 1978 zum ersten Mal. Ich liebe diese Freiluft-Picknick-Stimmung mit Rock and Roll den ganzen Tag. Was gibt es cooleres", lachte der Ex-Guns N' Roses-Gitarrist. "Darum brenne ich schon auf meinen Auftritt hier in Österreich." Kate Nash wiederum freute sich, in einem doch sehr "harten" Programm, Kontraste zu setzen: "So hart sind die Typen, die ich backstage getroffen habe, gar nicht", scherzte sie. "Aber es stimmt schon, meine Musik ist natürlich nicht heavy. Bei den Festivals in Deutschland waren die Leute trotzdem sehr offen dafür."

Sportfreunde Stiller freuen sich auf Deichkind
Einen noch stärkeren Farbtupfer setzen die Sportfreunde Stiller - nämlich unplugged. "Vielleicht passt es, weil es nicht passt", rechtfertigte Sänger Peter dieses Ansinnen. Die sanften Töne, die das bayrische Trio am Freitagabend mit Unterstützung von einigen Streichern, anschlagen werden, brechen aus dem rockigen und harten Programm der anderen Bands aus. Dennoch komme man auch bei eingefleischten Metal-Fans gut an: "Ich glaube, schwere Metal-Typen, die ganz böse aussehen, haben tief in sich drinnen ein weiches Herz und sind offen für derartige Melodien", lachte Peter. Schon bei Festivals in Deutschland wären einige "harte Kerle" auf sie zu gekommen, und hätten ihnen Komplimente ausgesprochen.

Nach ihrem Konzert wollen sich die "Sportis" noch den einen oder anderen Act ansehen. "Ich freu mich schon wahnsinnig auf Deichkind, die habe ich noch nie live gesehen". Bandkollege Flo schlägt es später "sicher" zu den Stone Temple Pilots. "Der steht auf die harten Töne", so Peter grinsend. Angesprochen auf die begonnene Fußball-WM meinte er: "Mein Geheimtipp ist Paraguay mit Roque Santa Cruz" (diesem haben die Sportfreunde einst ein Lied gewidmet). Britin Kate Nash versprühte in dieser Frage keinen Nationalstolz: "England wird sicher nicht Weltmeister."

Airbourne erster Höhepunkt
Nach zwei sehr druckvollen, knallharten Bands, Dillinger Escape Plan und Hellyeah, die auf der "Blue Stage" mit einer Wand an Thrash-Metal zahlreiches Headbangen (in kurzen Hosen und Bikinis) vor der Bühne auslösten, sorgten Airbourne mit ihrer unverschämten Mischung aus AC/DC und Stone Roses für einen ersten echten Höhepunkt. Da wurde zu flotten Riffs auf das Bühnengerüst geklettert und die in der prallen Sonne stehenden Fans zum Tanzen animiert. Fast parallel dazu wurden die Österreicher Russkaja regelrecht gefeiert.

Stone Temple Pilots, im Grunge groß geworden und mit der selbstbetitelten Comeback-Platte an die Spitze der US-Charts zurückgekehrt, fuhren später am Abend vor Massen mächtigen Hardrock auf. Scott Weiland, nach eigenen Angaben "nur noch" von Alkohol abhängig, sang sich bravourös durch eine Setlist aus Klassikern und aktuellem Material. Der Sound passte, die Musiker harmonierten (was früher nicht immer der Fall war) und Kaliber wie "Plush" und "Vaseline" haben zeitlose Faszination. Erfreulich, dass etwa "Between The Lines" von der neuen CD dagegen nicht abfiel.

Nash brachte Abwechslung
Zuvor hatten Ska-P mächtig Staub aufgewirbelt. Vor der Bühne wurde auf dem ausgetrockneten Boden zu den Polit-Hymnen der spanischen Skapunker heftig getanzt, ein Stimmungshighlight. Soliden, aber überraschungsfreien Hardrock gab es davor von Stone Sour zu hören, der Band um Slipknot-Sänger Corey Taylor. Freunde des Medieval Metal, einer Mischung aus mittelalterlichen Klängen und schweren Riffs, kamen bei Subway To Sally auf ihre Kosten. Als Anführer einer fröhlichen Hobbyband mit Stargitarristen erwies sich Slash. Geboten wurden Songs aus dem ersten "echten" Solo-Album des Musikers, aber auch viele Hits aus Guns N' Roses-Zeiten. Und "Paradise City" funktioniert immer: Es herrschte Party-Stimmung.

Abwechslung zu den mitunter sehr harten Klängen auf der blauen Bühne (besonders Hellyeah mit dem früheren Pantera-Schlagzeuger Vinnie Paul malträtierten mit ordentlichem Powerthrash die Ohren) brachte Kate Nash. Die Britin mit dem rotzig-kritischen Texten wollte zwar nicht recht zum Open Air passen, absolvierte den Auftritt jedoch tapfer. Gegen Homophobie zog sie in den Kampf, konnte sich hinter dem Keyboard ebenso gut behaupten wie am Bühnenrand mit Gitarre und hatte ihr vorwiegend weibliches Publikum spätestens ab dem aktuellen Hit "Do-Wah-Doo" im Griff. Man darf sich auf Hallenshows der 22-Jährigen freuen.

"Mad Max"-Kulisse
Etwa dreimal so viel Interessierte lockten die Sportfreunde Stiller mit ihrem Akustikset an. Die Münchner musizierten in Anzügen vor der Skyline von New York, die sich schön in die Abendsonne über den Pannonia Fields integrierte. Die Hits - wie der Durchbruchsong "Ein Kompliment" oder passend zur WM "Ich Roque" - funktionierten ohne Stromgitarren mit Piano, Bläsern und Streichern hervorragend. Da durfte man ihnen auch nicht den adaptierten WM-Schunkeler "54, 74, 90, 2010" zu übelnehmen. Das Finale ("Denkst du da genauso") entfachte ein Lichtermeer.

Obwohl die Sonne ununterbrochen vom Himmel brannte, gab es keine groben Zwischenfälle. 718 von rund 50.000 Besuchern benötigten seit Donnerstag medizinische Versorgung, 41 kamen ins Krankenhaus. Das Rote Kreuz behandelte einige Kreislaufprobleme, der Appell, viel Wasser zu trinken, dürfte aber gewirkt haben. Manche nahmen diese Aufforderung überernst und suhlten sich im Schlamm bei den Wasserstellen. Am Campingplatz herrschte Partystimmung in "Mad Max"-Kulisse: Gestalten in unterschiedlichsten Outfits feierten, übten sich im Anbaggern oder zogen wie die Nomaden im aufgewirbelten Staub herum. Vom Superheldendress über die Krachlederne bis zum Kuh-Kostüm reichten die Alternativen zu kurzen Hosen und Bikinis.

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