Vom Bodensee an die Volksoper:

Kritik

© TZ Österreich

Vom Bodensee an die Volksoper: "Tosca"

Ein halbes Jahrhundert alt ist die "Tosca" der Staatsoper. Die Schauplätze und das Regiekonzept stimmen. Drei gute Singschauspieler können dort immer noch spannendes Musiktheater machen. Doch die Volksoper spielt jetzt Puccinis Werk ebenfalls. In einer deutschen Textfassung von Günther Rennert, die viel spröder klingt als jene, die mir in meiner Jugend selbstverständlich war. In einer Ausstattung von Karl Kneidl, der Cavaradossi und seinen Partnern im 1.Akt ein bühnenhohes Malergerüst für sängerfeindliche Kletterpartien zumutet. Im 2.Akt residiert Roms Polizeichef in einem Kabinett, das der Hausmeister des Palazzo Farnese nicht benützen würde. Der 3.Akt spielt auf einem Plateau mit wechselndem Hintergrund.

Theater mit Musik
In diesen Bildern führt Alfred Kirchner Regie. Er schärft die Handlung durch ein paar kluge und ein paar übertriebene Details und versteht Oper als Theater mit Musik. Daher stellt man zunächst fest, dass die Sänger glaubhaft agieren. Das Stück "Tosca" findet statt. Musikalisch freilich bleiben Wünsche offen. Ann-Marie Backlund schwächelt in der Mittellage, hat jedoch in der Höhe Kraft, Glanz, dramatischen Ausdruck. Janos Bandi, ebenfalls ein Hausdebutant, ist ein recht ungehobelter tenoraler Kraftlackel mit deutlichem Manko im Piano.

Morten Frank Larsen, ein ungewohnt jugendlicher Scarpia, dröhnt eindrucksvoll und forciert seinen hellen Bariton. Ein solcher Totaleinsatz kann böse Folgen haben. Martin Winkler ist als präzise artikulierender, scharf konturierter Mesner eine Idealbesetzung. Am Dirigentenpult überdeutlich Josep Caballé-Domenech; sein Puccini ist mit häufigerem Rubato und stärkerem Sentiment beladen, als es dem musikalischen Ablauf guttut.

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