Brigitta Sirny-Kampusch:

Buch-Kritik

© AP/ Hans Punz

Brigitta Sirny-Kampusch: "Mein Leben ohne Natascha"

Zur Präsentation des neuen Buches im Presseclub Concordia am Dienstag kamen unzählige Pressevertreter. Auffallend auch das ungebrochen internationale Interesse am Fall Natascha Kampusch. In den vergangenen Tagen wurde mehrfach berichtet, Natascha Kampusch sei "grantig" über das Buch, in dem Sirny die achteinhalb Jahre dauernde Entführung aus ihrer persönlichen Sicht schildert. Gerüchte über Unstimmigkeiten dürften mit dem überraschenden Besuch entkräftet sein.

Natascha erschien
Etwa 15 Minuten nach Beginn der Pressekonferenz betrat sie den Saal und setzte sich, anfänglich relativ unbemerkt, in die letzte Reihe. Sekunden später galt die gesamte Aufmerksamkeit ihr. Fotografen drängelten sich, um ein Bild von Natascha zu knipsen und Natascha schützte sich vor dem einsetzenden Blitzgewitter der Fotografen mit einem Fächer, den sie mitgebracht hatte. Sie "flüchtete", von den Medienvertretern abgeschottet, in einen kleinen Raum neben dem Saal.

Verzweifelte Jahre
"Mein Leben in der Hölle begann um halb sechs" - Mit diesen Worten beginnt Brigitta Sirny ihren Bericht über die Entführung ihrer Tochter Natascha Kampusch am 2. März 1998 und achteinhalb Jahre Ungewissheit, Angst und Hoffnung. In ihrem Buch "Verzweifelte Jahre" hat sich die 57-jährige Wienerin ihr Leid von der Seele geschrieben. "Vergessen kann ich diese achteinhalb Jahre nie, aber es ist doch leichter, damit umzugehen", erklärte sie die Aufarbeitungsarbeit an dem Buch.

"Nicht aus Geldnot geschrieben"
Kampusch-Mutter Brigitta Sirny (die kürzlich ihren neuen Doppelnamen Sirny-Kampusch annahm) hat das Buch gemeinsam mit zwei Wiener Journalisten geschrieben (Thomas Köpf und Andrea Fehringer), es erschien im Ueberreuter-Verlag. Es ist ab Dienstag im Buchhandel erhältlich. Der Vertreter des Verlages, Fritz Panzer, bemühte sich zu betonen, dass die Gründe für das Erscheinen des Buches nichts mit Geldnot oder gar Geldgier zu tun haben. Die Kritiker werden aber nicht müde, dass Gegenteil zu behaupten.

Die Jahre ohne Natascha
Vom Tag der Entführung, Verdächtigungen gegen sie selbst und vergeblichen Suchaktionen der Polizei erzählt Sirny, die nun als zweiten Namen ihren Mädchennamen "Kampusch" führt. Einen Monat lang führten die beiden Co-Autoren Andrea Fehringer und Thomas Köpf intensive Interviews mit der 57-Jährigen und brachten ihre Geschichte zu Papier: Ihre Sichtweise der Jahre ohne Natascha Kampusch, der Umgang mit Journalisten und Polizei sowie Versuche, ihre Tochter mit Hilfe von Experten fürs Übersinnliche zu finden.

Warum?
"Das ist immer die Frage: warum? Und die bleibt offen, die kann uns niemand mehr beantworten", so Sirny zur Ungewissheit, warum ausgerechnet ihre Tochter entführt wurde. "Ich habe sehr viel gesprochen mit Natascha", berichtete die 57-Jährige über die achteinhalb Jahre Ungewissheit. "Ihr Bild geküsst und mit ihr gequasselt - das war meine Hoffnung." Ob der bevorstehende erste Jahrestag der Flucht am 23. August gefeiert wird, bleibt ein Geheimnis. "Das verrat' ich nicht", meinte die 57-Jährige. "Nein, wir haben nichts wirklich geplant."

Gutes Verhältnis trotz Buch
Das Schreiben und die Veröffentlichung des Buchs hätten zu keinen Konflikten zwischen ihr und Natascha geführt, berichtete Sirny, die damit Medienberichten der vergangenen Tage widersprach. "Wenn ich's unbedingt erzählen will, ist es okay", so die 57-Jährige über die Meinung ihrer Tochter zu dem Buchprojekt. "Das ist meine Geschichte, ihre Geschichte ist eine andere."

"Der Kontakt ist sehr gut aus meiner Sicht", berichtete Sirny über die Beziehung zu ihrer Tochter. "Wir besuchen Freunde, gehen schwimmen, shoppen, besuchen die Großmutter und Schwestern - wie eine normale Familie." Gesprochen habe sie mit Natascha über das Buch noch nicht. "Wir haben andere Dinge, die wichtiger sind - in der Beziehung Mutter-Tochter", so Sirny. So geht es für Natascha Kamnpusch jetzt vor allem darum, ihre Schulausbildung abzuschließen. Lesen Sie hier mehr.

Natascha als "Lektorin"
Natascha Kampusch sei mit einbezogen worden und habe das Buch vor der Veröffentlichung im Verlag "mit großer Aufmerksamkeit und sehr konzentriert" gelesen. Anmerkungen und marginale Änderungen der 19-Jährigen wurden berücksichtigt. "Sie ist fast wie eine Lektorin durch das Buch gegangen", so Verlags-Geschäftsführer Fritz Panzer. Nachsatz: "Eine Bereicherung."

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