Erzabt bot 5.000 Euro Schweigegeld

Sexueller Missbrauch

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Erzabt bot 5.000 Euro Schweigegeld

Der Salzburger Erzabt Bruno Becker hat wegen sexuellen Missbrauchs vor 40 Jahren an einem damals Minderjährigen dem zuständigen Ordensoberen seinen Rücktritt angeboten. Unmittelbar nach der Tat hat sich Becker bei dem Betroffenen aufrichtig entschuldigt. Er bedauert auch heute noch diesen Vorfall aufs Tiefste und bittet um Verzeihung - soweit die offizielle Mitteilung am späten Montagnachmittag.

Einmaliger Fehler
Zum Zeitpunkt der Tat war Becker 24 Jahre alt und noch nicht Priester. Seit diesem bedauerlichen Ereignis und in seiner ganzen seelsorgerischen Tätigkeit habe es von ihm keinen einzigen Vorfall dieser Art weder an dem Betroffenen, noch an anderen Personen gegeben, unterstrich der Geistliche.

Aufrichtige Reue
Nach der Wahl von Becker zum Erzabt von St. Peter wandte sich der Betroffene im Herbst 2009 über einen Ombudsmann an ihn. In einem Gespräch am 22. November 2009 in Wien, bei dem auch der Ombudsmann anwesend waren, habe der Geistliche erneut den Betroffenen um Verzeihung für das vor über 40 Jahren Geschehene gebeten und seine aufrichtige Reue zum Ausdruck gebracht. Der Erzabt habe über diesen Vorfall unter anderem Erzbischof Alois Kothgasser informiert.

5.000 Euro angeboten
Der Betroffene meldete sich nun Dienstagfrüh im Ö1-Morgenjournal zu Wort. Becker habe ihm gegenüber im November den Missbrauch eingestanden, einen Rücktritt habe er aber abgelehnt. Stattdessen habe er ihm in einem Brief 5.000 Euro angeboten und ihn ersucht, keine weiteren Schritte mehr zu veranlassen. Außerdem sei er auch von zwei anderen Patres jahrelang immer wieder missbraucht worden.

Kein Schweigegeld
Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser hat dazu bemerkt, die angebotene Zahlung von 5.000 Euro sei nicht als Schweige- sondern als Schmerzensgeld gedacht gewesen.

2 weitere Patres beschuldigt
Ein ehemaliger Mönch habe ihn damals wegen der Aussicht auf den Kirchturm gelockt. Dort sei es dann erstmals zum Missbrauch gekommen, sagte der damals Elfjährige: "Das war eine Todesangst, ich saß droben, konnte mich nicht rühren, ich konnte mich nur festhalten, und er stand vor mir, er hatte mir in die Hose gegriffen, und dabei hat er sich selbst auch befriedigt." Sechs Jahre lang sei es immer wieder zu Missbräuchen durch diesen und einen anderen Pater gekommen, auch in deren Zellen.

Von vornherein wehrlos
Der Übergriff durch den Erzabt, der damals Priesteramtsanwärter war, erfolgte bei einem Radausflug in einer Höhle am Untersberg bei der Quelle der Salzburger Wasserleitung. "In einer Grotte musste ich mich dann auf seinen Schoß setzen. Er drückte mich an sich, und ich war im Grunde genommen schon von vornherein einmal wehrlos", so der heute 53-Jährige.

"Habe gebeichtet, was er verbrochen hat"
Der Salzburger schilderte auch die Folgen der jahrelangen Missbräuche. Er fürchte sich seither vor Höhlen und Tunnels. Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen seien weitere Folgen. Beichten habe er nur bei Pater B. dürfen. "Und da musste ich beichten, dass ich eben Unkeusches getan habe mit anderen. Und er gab mir die Absolution. Im Grunde genommen habe ich immer das gebeichtet, was er verbrochen hat."

Aus Scham und wegen des psychischen Drucks durch die Täter habe er erst nach 24 Jahren erstmals über die Vorfälle sprechen können und im Vorjahr die mutmaßlichen Täter mit den Vorwürfen konfrontiert, "und da von ihnen auch das Geständnis erhalten". Einmal sei es unter den Patres sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen, "weil dieser Pater auch mit Leuten aus dem Konvikt Beziehungen begonnen hatte."

Ein Pater hat den Orden später verlassen, der andere wechselte in Klöster nach Oberösterreich oder Bayern. Die beiden sind laut ORF 2005 in Marokko als Sextouristen festgenommen worden, einer wurde wegen schweren Missbrauchs an minderjährigen Marokkanern auch rechtskräftig verurteilt. Der Zweite wurde nicht verurteilt, er starb vor einem Monat in Bayern.

Nicht vor Staatsanwalt ausgesagt
Der Fall war übrigens auch der Salzburger Justiz bekannt. Am 14. September 2009 hat ein Wiener, der mit dem Opfer offenbar in Kontakt stand, Anzeige beim Landeskriminalamt Niederösterreich erstattet. Der Fall wurde dann der Staatsanwaltschaft Salzburg übermittelt, die das Verfahren am 18. Jänner 2010 einstellte, da das Opfer zu dieser Zeit noch nicht aussagen wollte.

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