13. Juli 2010 18:43
Es war der schlimmste Trip ihres Lebens: Nach sechs Tagen in Rom wurde die
Rückfahrt nach Klagenfurt für 34 Schüler zum Albtraum. In einem völlig
überhitzten ÖBB-Zug, ohne Klimaanlage und mit Fenstern, die nicht zu öffnen
sind, mussten sie neun Stunden ausharren (ÖSTERREICH berichtete).
"Hatten viel zu wenig Wasser"
Für den 16-jährigen
Cedrik Harrich war das zu viel. Nur eine Stunde nachdem die Gruppe im
Horror-Zug in der italienischen Hauptstadt gestartet war, kollabierte der
Schüler, war zehn Minuten bewusstlos. „Schon als wir eingestiegen waren,
wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Es war einfach viel zu heiß“, so
Harrich gegenüber ÖSTERREICH.
Es stellt sich heraus: Die Klimaanlage war defekt, die Fenster dicht. „Auf
das waren wir nicht vorbereitet, hatten viel zu wenig Wasser mit. Kurz vor
Florenz wurde mir dann schwarz vor Augen, so etwas habe ich noch nie
erlebt“, so der Schüler. Harrich sagt heute: „Bei der Fahrt ist alles
schiefgegangen, was schiefgehen kann.“ Die ÖBB hat mittlerweile den Schülern
den Fahrpreis der Reise zurückerstattet.
Geröll verwüstet ganze Ortschaft
Erst gab es enorme
Niederschläge, dann eine gewaltige Mure: Montagabend um 20.30 Uhr donnerten
mit lauten Getöse unglaubliche 70.000 Kubikmeter Schutt und Geröll über
Kappl in Tirol. Insgesamt 50 Häuser mussten evakuiert, 250 Menschen in
Sicherheit gebracht werden. „Es gleicht wirklich einem Wunder, dass es keine
Verletzten gab“, erklärt Bezirksfeuerwehrkommandant Christoph Mayer
gegenüber ÖSTERREICH.
Nach der Mure bot sich Betroffenen und Einsatzkräften am Dienstag nur mehr
ein Bild des Schreckens: Bis zu fünf Meter hoch türmte sich der Schutt, mehr
als 20 Keller waren überflutet, überall gab es nur mehr Schlamm und Geröll.
120 Feuerwehrmänner versuchten gestern, das Schlimmste wieder zu beseitigen.
„10.000 Lkw-Ladungen Schutt müssen nun abtransportiert werden“, so Mayer.
„Wir hoffen, die Durchfahrtsstraße in zwei Tagen wieder befahrbar zu haben.“
Und: Der heftige Regen hat rund um den Ort noch weiters den Boden
aufgeschwemmt. Weitere Abgänge sind also durchaus möglich.
Golfer überleben Blitzschlag
„Als der Blitz eingeschlagen
hat, dachte ich, ich bin sofort tot“, sagt Christoph Traunfellner (32) aus
Innsbruck. Der Bankangestellte liegt mit seinen beiden Golfkollegen Sascha
Wehofer (28) und Nadine Kagelmann (28) in der Uniklinik Innsbruck und
erinnert sich an die schrecklichen Minuten am Vorabend. Der Schock sitzt
noch immer tief, die Erleichterung ist aber mindestens genau so groß. Denn
die drei Golfer wissen, dass sie dem Tod nur knapp entronnen sind.
Unwetter tauchte plötzlich auf
Montag, kurz nach 19 Uhr,
auf der Anlage der Golfacademy Seefeld: Es ist drückend heiß – trotz der
hohen Lage von 1.200 Metern hat es noch immer fast 30 Grad. Die drei Golfer
kommen gut voran, viele Schläge gelingen. Zwar brauen sich in der Ferne
schon erste dunkle Gewitterwolken zusammen, doch Traunfellner und seine
Kollegen denken vorerst an nichts Böses.
Um 19.35 Uhr passiert das Drama: Die Sportler befinden sich gerade auf dem
Green des Loches Nummer 5, als von Süden her binnen Sekunden eine
Gewitterfront über den Golfplatz zieht. Es donnert laut und plötzlich
schlägt ein Blitz direkt neben der Golfgruppe ein – die drei Sportler werden
sofort einige Meter weit weggeschleudert. „Es war ein Gefühl, als wenn mir
jemand mit dem Baseballschläger auf den Kopf schlagen würde“, sagt
Traunfellner. Kollege Wehofer: „Ich hörte einen lauten Knall, dann hat es
mich auf den Boden gehauen.“ Die drei verlieren kurz das Bewusstsein und
klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit.
Eine Passantin alarmiert den Notarzt. Die Sportler werden in die Uniklinik
nach Innsbruck gebracht. Dort werden EKG und neurologische Tests
durchgeführt. Entwarnung: Alles ist in Ordnung. Die drei Golfer haben den
Unfall wie durch ein Wunder unverletzt überlebt. Sie können am Dienstag das
Spital verlassen. Kagelmann: „Ich bin froh, dass ich überlebt habe.“