Stangl war nicht am K2-Gipfel

Foto gefälscht

Stangl war nicht am K2-Gipfel

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Es ist Dienstagmorgen, 10.35 Uhr, als die größte Lüge seines Lebens platzt: Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Wien erscheint Extrem-Bergsteiger Christian Stangl (44) abgemagert, in sich gekehrt, weicht den Blicken der Journalisten immer wieder aus. Und dann sagt er die entscheidenden Worte, die sein Leben für immer verändern werden: „Ich habe den Gipfel des K2 nicht erreicht.“

Wochenlang wurde er als Held vom K2 gefeiert
Rückblick: Es glich einer Sensation als sich Christian Stangl am Freitag, den 13. August, via Satellitentelefon aus Pakistan meldete und verkündete: „Ich hab‘s geschafft“. Gemeint war die Besteigung des K2, von dem eine Woche zuvor der Schwede Fredrik Ericsson in den Tod stürzte und den Gerlinde Kaltenbrunner auch heuer wieder nicht bezwingen konnte.

stangl_.jpg Christian Stang bei der Pressekonferenz, (c) APA
 

In rekordverdächtigen 70 Stunden und ohne Begleitung sei Stangl einen Tag zuvor der Aufstieg auf 8.611 Meter gelungen und ganz Österreich jubelte: Überall wurde über seinen Triumph berichtet, Stangl selbst als Held gefeiert.

Wurde Stangl von anderem Bergsteiger erpresst?
Doch in Bergsteigerkreisen kamen erste Zweifel auf: Das Gipfelfoto sei gefälscht, in der Nähe des Basislagers wollen pakistanische Träger ein Zelt von Stangl gefunden haben – sein Aufstieg wurde immer zweifelhafter. ÖSTERREICH sprach Stangl bereits am 29. August auf die Gerüchte an, doch der 44-Jährige dementierte vehement: „Das Ganze ist völlig absurd. Ich bin oben gestanden, hab selbst das Gipfelfoto geknipst.“

Stangl jedoch geriet immer mehr unter Druck, wurde angeblich sogar von einem Bergsteiger-Kollegen erpresst und trat am Dienstag schließlich die Flucht nach vorne an. Er sagt: Gelogen habe er nicht, vielmehr sei er damals in einer Art Trance-Zustand gewesen: „Ich hatte einen Bewusstseinszustand erreicht, an dem ich der festen Überzeugung war, ich war auf dem höchsten Punkt des K2. Es war eine Mischung aus körperlicher Existenzangst und der großen Angst vor dem Versagen.“

Ausgezehrt wirkt er jetzt, ist zum Teil den Tränen nahe. Das Gipfel-Foto sei auf rund 7.500 Meter entstanden, 1.000 Meter unterhalb des Gipfels. Das wisse der Steirer jetzt. Wochen nach dem er sich in den Medien feiern ließ und nach sehr vielen Gesprächen.

„Der K2 ist wie eine schöne Frau, die man haben will.“
Wie es nach seinem Outing nun für den 44-Jährigen weitergeht, ist unklar. Von einer Auszeit spricht er, von einem Rückzug aus der Öffentlichkeit. „Der K2 schaut so schön aus, wie eine schöne Frau, bei der man denkt, man muss sie unbedingt haben. Aber ich weiß jetzt, dass man nicht alles haben kann“, sagt Stangl. Ob er vielleicht trotzdem noch einmal zurückkehren wird – derzeit weiß er es noch nicht.

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Autor: mud
Seiten: 12
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