Bei einem Lawinenabgang im Tiroler St. Anton (Bezirk Landeck) sind am Freitag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt fünf Personen wurden verschüttet.
Zwei von ihnen überlebten nicht, eine weitere Person wurde am Abend noch reanimiert. Zwei Wintersportler befanden sich in ärztlicher Behandlung, sagte ein Polizeisprecher zur APA. Auch in Nauders gab es zuvor bei einem Lawinenabgang ein Todesopfer.
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Die Lawine, die am Nachmittag in St. Anton abgegangen war, dürfte laut Angaben der Leitstelle Tirol "riesig" gewesen sein. Zunächst war unklar gewesen, wie viele Personen sich tatsächlich im Hang befunden hatten. Daher wurde ein Großeinsatz ausgelöst: Vier Bergrettungen und drei Hubschrauber standen im Einsatz. Über die näheren Umstände des Lawinenunglücks lagen vorerst keine Informationen vor.
In Nauders im Bezirk Landeck wurde indes ein deutscher Skifahrer im freien Skiraum von einem Schneebrett mitgerissen und verschüttet. Für den 42-Jährigen kam jede Hilfe zu spät - er war zuvor mit seinem 16-jährigen Sohn von einer Piste in diesen gefahren. Dort wurden sie von einem 400 Meter breiten Schneebrett bis zu 300 Meter weit mitgerissen. Während der Jugendliche verletzt an der Schneeoberfläche liegen blieb, wurde der 42-Jährige teilverschüttet. Eine Reanimation an der Unfallstelle blieb erfolglos. Der Notarzthubschrauber Robin 3 und die Bergrettung Nauders standen im Einsatz.
In Fulpmes (Bezirk Innsbruck-Land) wurde eine Person im freien Skiraum von einer Lawine erfasst. Sie dürfte nach ersten Informationen unverletzt geblieben sein. Eine weitere nicht verschüttete Person versuchte, sich aus dem Gefahrenbereich zu bringen, nachdem es für die Bergrettung zu gefährlich war, in den Bereich einzufahren. Auch hier waren zwei Hubschrauber an Ort und Stelle. In Alpbach im Bezirk Kufstein wiederum wurde eine Lawine durch eine sechsköpfige Gruppe ausgelöst, die in den freien Skiraum eingefahren war. Eine Person wurde verletzt und ins Spital geflogen.
200 Lawineneinsätze seit vergangenem Freitag
Darüber hinaus kam es am Freitag zu zahlreichen weiteren Lawinenabgängen im freien Skiraum im Bundesland, bei denen einige weitere Wintersportler verschüttet und verletzt wurden. Bis zum Nachmittag verzeichnete die Leitstelle 32 Einsätze, seit Freitag vergangener Woche waren es rund 200. So wurde etwa sowohl in Fügenberg als auch in Aschau im Zillertal jeweils ein Wintersportler verschüttet. In ersterem Fall wurde die Person verletzt, in zweiterem konnte der Skifahrer sich selbstständig ins Tal begeben.
Großalarm gab es auch in Kappl im Tiroler Paznauntal. Eine Lawine soll zahlreiche Skifahrer erfasst haben - von bis zu 15 Personen, die in den Hang eingefahren waren, war die Rede. Laut Leitstelle Tirol wurde eine Person komplett und zwei weitere zum Teil verschüttet. Zwei Wintersportler wurden leicht verletzt.
Auch im freien Skiraum nördlich der 12er Sportiv-Piste in Fiss im Bezirk Landeck kam es zu einem Lawinenabgang. Es wurde eine Suche nach möglichen Verschütteten eingeleitet. Diese verlief aber ergebnislos, somit konnte die Suchaktion beendet werden, sagte ein Sprecher der dortigen Bergbahnen zur APA. Die gesicherte Piste war nicht betroffen.
Lawine erfasste Bus - Keine Verletzten
Großes Glück hatten indes Freitagfrüh zwölf Insassen eines Busses in Bach im Tiroler Bezirk Reutte. Gegen 5.00 Uhr ging eine Lawine auf die Lechtalstraße (B198) nieder, erfasste den Bus und schob ihn von der Straße ab. Verletzt wurde niemand, sagte ein Polizeisprecher zur APA. Es soll sich laut Medienberichten um einen Firmenbus mit Mitarbeitern gehandelt haben. Im Einsatz standen die Bergrettung Elbigenalp - sie sondierte den Lawinenkegel - sowie Polizei und Straßenmeisterei. Eine lokale Umleitung wurde eingerichtet.
In großen Teilen des Bundeslandes herrscht am Samstag vor allem in höheren Lagen weiter Lawinengefahrenstufe 4, also große Gefahr. Mit Neuschnee und starkem Westwind entstanden Triebschneeansammlungen, die an allen Expositionen oberhalb der Waldgrenze sehr störanfällig waren. Schneebretter könnten teilweise in tiefe Schichten durchreißen und groß werden, wurde gewarnt.
Zwei Lawinentote in vergangenen Tagen
Land und Lawinenwarndienst appellierten zudem eindringlich an Wintersportler, von Touren und Fahrten im freien Skiraum abzusehen. In den vergangenen Tagen waren zwei Lawinentote zu beklagen und zahlreiche Einsätze zu verzeichnen gewesen. In dieser Wintersaison sind in Österreich bereits 18 Tote nach Lawinenabgängen zu beklagen.