Stermann:

Eklat um Juden-Witz

Stermann: "Ich darf das sagen"

Aufregung im ORF um einen Nazi-Witz bei "Willkommen Österreich“. Dirk Stermann hatte in der Sendung einen Holocaust-Gag zum Besten gegeben, der in allerletzter Minute vom ORF zensuriert wurde – ÖSTERREICH berichtete.

ÖBB-"Scherz“
Einem Redakteur der Austria Presse Agentur war die geschmacklose Pointe aufgefallen, er kontaktierte den Sendungsverantwortlichen Andreas Vana. Stermanns (nicht ausgestrahlter) Witz: "US-Anwälte verklagen die ÖBB, weil sie den ÖBB vorwerfen, sie seien beteiligt gewesen an der Deportation von Juden: Liebe US-Anwälte, das glaube ich nicht. Wären die Juden mit den ÖBB gefahren, wären sie heute noch nicht in Auschwitz.“ Der Witz spielt auf eine Sammelklage Holocaust-Überlebender gegen eine ungarische ÖBB-Tochterfirma an.

"Notwendig“
Gegenüber ÖSTERREICH rechtfertigt sich Dirk Stermann nun für den Gag, der sich seiner Meinung nach nicht gegen Holocaust-Opfer, sondern gegen die ÖBB richtet. Generell dürfe man aber Judenwitze machen: "Es ist notwendig, über das Grauen Witze zu machen.“ Dabei sei aber ausschlaggebend, wer sie erzählt: "Ich verstehe die Leute, die sagen, wenn Herr Mölzer (FPÖ-EU-Abgeordneter, Anm.) den Witz macht, finde ich das unappetitlich. Das finde ich auch. Wir aber haben eine andere Geschichte. Dann kann ich das auch als Nicht-Jude und Nicht-Gläubiger machen“, so Stermann (s. Interview). Er selbst sei oft in Israel, habe dort auch gute Freunde. Trotzdem könne er die Reaktion von Einzelnen verstehen, die sich durch den ÖBB-Witz betroffen fühlen. Dass die Szene aus der Sendung geschnitten wurde, damit habe er kein Problem.

Kurzfristige Änderung?
Bei "Willkommen Österreich“ entstehen die Gags in Zusammenarbeit zwischen Stermann, seinem Kollegen Christoph Grissemann und den Redakteuren der Sendung. Es gebe zwar grundsätzlich ein Drehbuch, doch könne es vorkommen, dass eine Sendung bei aktuellem Anlass kurzfristig vor der Ausstrahlung geändert wird, erklärt Vana. Das dürfte hier der Fall gewesen sein.

"Judenwitze darf man grundsätzlich machen"

ÖSTERREICH-Interview mit Dirk Stermann

ÖSTERREICH: Herr Stermann, hat Ihr Witz Konsequenzen?

Dirk Stermann: Der Witz wurde ja herausgeschnitten. Damit habe ich kein Problem. Für mich ist die Geschichte erledigt.

ÖSTERREICH: Haben Sie da eine Grenze überschritten?

Stermann: Nein, das finde ich nicht. Ich finde das einen ganz klassischen Witz, den ich gefühlsmäßig schon vor 30 Jahren bei Woody Allen gehört habe.

ÖSTERREICH: Ariel Muzicant hat gesagt, dass Sie diesen Witz nicht gemacht hätten, wenn Ihre Großeltern in den Waggons gesessen wären.

Stermann: Das ist eine Generationsfrage. Ich verstehe ihn natürlich total. Ich habe aber keinen Witz über Holocaustopfer gemacht, sondern über die ÖBB. Ich hätte erwartet, dass Herr Muzicant das anders sieht.

ÖSTERREICH: Darf man generell Judenwitze machen?

Stermann: Ja, es ist aber grundsätzlich wichtig, wer sie macht. Ich darf das sagen. Aber ich verstehe Leute, die sagen, wenn Herr Mölzer den Witz macht, finde ich das unappetitlich. Das finde ich auch. Wir haben aber eine andere Geschichte. Dann kann ich das auch als Nicht-Jude und Nicht-Gläubiger machen

Autor: M. Jelenko-Benedikt
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