Prager Botschafter ins Außenamt zitieren

ÖSTERREICH-Interview

Prager Botschafter ins Außenamt zitieren

Angesichts des geplanten Ausbaus der grenznahen tschechischen Atomkraftwerke in Temelin und Dukovany fordert Grünen-Chefin Eva Glawischnig im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH (Montag-Ausgabe) von der Regierung eine scharfe Reaktion. Sie verlangt einen offiziellen Protest.

ÖSTERREICH: Was erwarten Sie von der Regierung nach dem Beschluss Prags, Dukovany und Temelín auszubauen?

Eva Glawischnig: Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, dass es sehr wichtig ist, rechtzeitig in aller Schärfe zu reagieren. Denn irgendwann sind die Pläne so weit gediehen, dass es zu spät ist. Es bedarf jetzt einer offiziellen Protestnote. Das tut traditionell der Außenminister. Spindelegger könnte auch den tschechischen Botschafter zu sich zitieren. Immerhin ist das Schrott-AKW Dukovany nur 50 km von der Grenze entfernt.

ÖSTERREICH: Ist unsere Regierung zu diplomatisch?

Eva Glawischnig: In den vergangenen fünf bis sieben Jahren hat sich nicht viel getan. Ein atomkraftfreies Mitteleuropa ist nicht mehr – wie noch in den 1990ern – Konsens.

ÖSTERREICH: Wird Strom aus Schrott-AKW nach Österreich importiert?

Eva Glawischnig: Die Antiatompolitik der Regierung ist scheinheilig und halbherzig: Der Bedarf wird zu einem recht hohen Anteil aus Atomstrom gedeckt. Weil man den Ökostromausbau verhindert, wird das noch gefördert.

ÖSTERREICH: Sollte die Regierung auch bei Deutschland offiziell Protest gegen die Laufzeitverlängerung von Uralt-AKWs einlegen?

Eva Glawischnig: Absolut! Die Laufzeitverlängerung wurde für sehr alte Kraftwerke ausgesprochen, das bedeutet goldene Nasen für die Betreiber. Auch da muss Österreich sich einmischen.

ÖSTERREICH: Was kann so eine Protestnote überhaupt bewirken?

Eva Glawischnig: Eine formale Protestnote ist in der internationalen Diplomatie etwas, das man nicht mehr so einfach ignorieren kann.

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