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Botschafter-Eklat

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"Sie sind aber gut integriert!"

Der Linzer Filmregisseur Ünal Uzunkaya warnt davor, die Debatte rund um das aufsehenerregende Interview des türkischen Botschafters Kadri Ecvet Tezcan zu personifizieren. "Diese Diskussion um seine Person ist irreführend und letzten Endes irrelevant, denn das Problem bleibt trotzdem. Man sollte stattdessen diese Gelegenheit nutzen, nicht das Übel in einer Person zu suchen, sondern ihn als Spiegel für den Unmut der 'Integranten' zu betrachten, nicht anders hat er auch agiert." Letztendlich habe er "unüblich für einen Diplomaten kommuniziert" und das Publikum "genutzt" - "stellvertretend für jene Migranten, mit denen er im Austausch ist".

Kritik an Wortwahl

Einzig und allein die pauschalisierenden Ausdrücke Tezcans kritisiert der Linzer. "Das liegt vielleicht ein bisschen an der türkischen Sprache, da das 'wir Türken' und 'ihr Österreicher' im Türkischen gar nicht so stark klingt wie im Deutschen, weil diese Abgrenzung nicht so verhärtet ist", so der Regisseur, der Tezcan auch persönlich kennenlernte. "Ich schätze ihn nicht als jemanden ein, der verbal abwertet." Die Entrüstung und Ablehnung vonseiten der Politik sei jetzt "nur die erste schockierte Reaktion, in den nächsten Wochen wird sich einiges tun".

"Richtig gefreut" über Interview

Hüseyin Tabak, Regisseur und Student der Wiener Filmakademie, hat sich "richtig gefreut", als er das Interview mit Tezcan gelesen hat. "Er spricht auch aus meiner Seele, ich stehe voll und ganz hinter ihm", so der Filmemacher. Tabak hatte im Rahmen der Viennale den Wiener Filmpreis für seine Doku "Kick Off" gewonnen und das Publikum bei der Abschlussgala genutzt, um sich über den ausländerfeindlichen Wiener Wahlkampf rechter Parteien zu äußern. "Wenn man hier lebt, wird die ganze Zeit über einen diskutiert", so der Deutsch-Kurde, der seit vier Jahren in Österreich lebt, "aber selbst kommt man nie zu Wort."

Komponist Gürkan: "Integration ist ein Ablehnbegriff"
"Man fragt sich manchmal, ob man hier wirklich noch erwünscht ist", zeigte sich Serkan Gürkan, seit 18 Jahren in Österreich lebender Komponist türkischer Herkunft, durchaus kritisch angesichts der Integrationsdebatte. "Ich kann auch mit dem Wort 'Integration' nicht viel anfangen." Niemand definiere, was genau er darunter verstehe: "Der Begriff mutiert zu einem Ablehnbegriff." Das Gleiche gelte für "Ausländer", das auch schon zum Schimpfwort geworden sei.

"Sie sind aber gut integriert"
"Manche Leute wollen mir nach dem Konzert ein Kompliment machen und sagen: 'Sie sind aber gut integriert'." Er begreife das als Beleidigung, zumal damit impliziert werde, dass das, was er vorher gemacht habe, schlecht gewesen sei. "Aber wenn ich mich als Künstler schon manchmal ausgegrenzt fühle, dann kann ich mir nicht vorstellen, wie sich die anderen Schichten fühlen."

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