Tauziehen um Gelder für Partei-Feste

Kultur-Förderung

Tauziehen um Gelder für Partei-Feste

Wien ist ab kommendem Jahr um eine Veranstaltung reicher: Auf Initiative der Grünen wird im Herbst 2012 das künftig alljährlich stattfindende Kulturprojekt "Wienwoche" erstmals über die Bühne gehen. Um das veranschlagte Budget von rund einer halben Mio. Euro aufzutreiben, hat der kleine Koalitionspartner Kürzungen bei anderen parteinahen Festivitäten herausverhandelt. Verlierer ist vor allem das von der ÖVP organisierte Stadtfest, dessen Subvention laut dem grünen Kultursprecher Klaus Werner-Lobo von bisher 900.000 auf 450.000 Euro halbiert werden soll.

Eine Art Vorschuss für die "Wienwoche" in der Höhe von 100.000 Euro wurde bereits vergangene Woche im Gemeinderat beschlossen. Das Fördergeld kommt dem extra dafür gegründeten "Verein zur Förderung der Stadtbenutzung" zugute. Er ist für die rechtliche und konzeptionelle Abwicklung verantwortlich, die künstlerische Leitung der "Wienwoche" wird erst ausgeschrieben und soll im November bestellt werden.

Werner-Lobo versicherte im APA-Gespräch, dass sämtliche Ausschreibungen, Entscheidungsprozesse und Mittelvergaben transparent vonstattengehen würden. Die Partei werde in die inhaltliche Programmierung keinesfalls eingreifen, versprach er.

"Das Geld kommt aus dem Topf, aus dem parteinahe Feste finanziert werden", so Werner-Lobo. Sprich: Donauinselfest, seit knapp drei Jahrzehnten von der SPÖ ausgerichtet, und dessen schwarzes Pendant - das Stadtfest - dürften geschröpft werden. Die Kürzungen beim Inselfest sind allerdings einigermaßen marginal, Werner-Lobo zufolge in der Größenordnung von rund 100.000 Euro. Das ist tatsächlich nur ein kleiner Teil: Heuer wurde das Insel-Event mit insgesamt 1,45 Mio. Euro bedacht.

Wobei mögliche Kürzungen für das rote Fest noch nicht ausgemachte Sache sein dürften: Denn SPÖ-Parteisekretär Christian Deutsch zeigte sich am Mittwoch in einer Donauinselfest-Pressekonferenz davon überzeugt, dass die Subventionsmittel für das Open-Air-Spektakel nicht dezimiert werden. Über das endgültige Budget verhandelt die Koalition dieser Tage noch.

Beim Stadtfest der Volkspartei dürfte der Rotstift allerdings ordentlich angesetzt werden. Die Stadtschwarzen müssen künftig mit 450.000 statt bisher 900.000 Euro Steuergeld auskommen, rechnete der grüne Kultursprecher vor. Die "Wienwoche" selbst will Werner-Lobo keinesfalls als "Parteifest" verstanden wissen: "Wir werden das nicht mit grünen Luftballons oder Werbematerial fluten."

Rein inhaltlich gibt es rund um die einwöchige Kulturinitiative noch keine Details. Es sollen jedenfalls eine Reihe von Einzelprojekten an bestimmten Orten Wiens kostenlos präsentiert werden. Die Genres können von Musik über Theater bis hin zu Bildender Kunst und Performance reichen, kündigte Werner-Lobo an. Die einzelnen Projekte sollen über den Zeitraum der "Wienwoche" hinaus "Spuren hinterlassen", wünscht sich der grüne Mandatar.

Die ÖVP glaubt, die drohenden Subventionskürzungen für ihr Stadtfest noch abwenden zu können. "Es wird alles nicht so heiß gekocht wie gegessen", versprühte Landesgeschäftsführer Alfred Hoch Zuversicht. Man stehe mit der Stadt noch in Verhandlungen. Die Veranstaltung werde im kommenden Jahr in gewohnter Größe über die Bühne gehen, war er überzeugt.

Es sei verwunderlich, dass gerade die Grünen, die sich stets Kulturpolitik auf die Fahnen heften würden, gegen das Stadtfest vorgingen und damit versuchten, eine erfolgreiche Kulturveranstaltung abzudrehen, ärgerte sich Hoch. Schließlich sei das innerstädtische Spektakel längst zur Marke geworden und beschere der Wiener Wirtschaft rund drei Millionen Euro Umsatz, so der Landesgeschäftsführer der Stadt-Schwarzen.


 

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