Krim-Krise

Krim-Krise

Krim-Krise

Putin lässt die Welt abblitzen

Seiten: 12

Ungeachtet aller Sanktionsdrohungen treibt Russland den Anschluss der Halbinsel Krim kompromisslos ­voran. Eine Woche vor einem Referendum stellt Moskau der Krim die sofortige Eingliederung in die Russische Föderation in Aussicht. Noch am gestrigen Abend kam es erneut zum Eklat, als bewaffnete Russen mit einem Lkw in eine ukrainische Raketen­abwehrstation eindrangen. Gleichzeitig zeigt Russlands Präsident Wladimir Putin der Welt die kalte Schulter:

  • Die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sind am Freitag erneut von Bewaffneten daran gehindert worden, auf die Halbinsel zu gelangen. Der Konvoi mit den 41 Militärexperten, darunter zwei Offiziere aus Österreich, wurde am Nachmittag bei Tschongar von etwa zehn Bewaffneten an einem Kontrollposten am Zugang zur Krim gestoppt. Schon am Tag zuvor mussten die OSZE-Experten umdrehen.
  • Ein 90-minütiges Krisen­telefonat zwischen US-Präsident Barack Obama und Putin brachte kein greifbares Ergebnis. Obama verlangte, dass die Soldaten auf der Krim in ihre Kasernen zurückkehren müssen. Putin lehnte ab. Es war bereits das zweite Telefonat der Präsidenten innerhalb von sechs Tagen.
  • Putin verließ indes den Kreml, reiste nach Sotschi zur Eröffnung der Paralympics, zeigte sich mit Sportlern. Aus Protest gegen die russische Krim-Invasion haben zahlreiche Politiker die Teilnahme an der Eröffnung abgesagt: Auch Österreichs Regierung hatte sich gegen eine Reise zu den Spielen in Sotschi ausgesprochen.

Milizen stürmen Raketen-Basis
Auf der Halbinsel Krim haben offenbar Russen einen Militärstandort der ukrainischen Streitkräfte übernommen. Bewaffnete Männer seien mit einem Lastwagen in die Raketenabwehrstation gefahren, berichtete ein Reuters-Reporter am Freitag vor Ort. Es seien keine Schüsse gefallen. Das Tor des Luftwaffen-Stützpunkts sei nicht beschädigt.

In anderslautenden Berichten hatte es geheißen, der Standort sei gestürmt worden, der Lastwagen habe das Eingangstor durchbrochen. Ein Vertreter des ukrainischen Militärs sagte am Telefon, niemand sei verletzt. Ein anderer ukrainischer Vertreter sagte, er vermittle zwischen den Streitkräften und der bewaffneten Gruppe. Diese hätten keine Waffen erbeutet.

Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte am Abend mit, die prorussischen Angreifer verhandelten mit dem dortigen Kommandanten. Auf der Basis stationierte ukrainische Soldaten hätten sich in Kasernengebäuden verbarrikadiert.

Das Parlament auf der Krim hatte den russischen Staatschef Wladimir Putin am Donnerstag um Aufnahme in die Russische Föderation gebeten. Ein Referendum dazu wurde für den 16. März angesetzt. Die ukrainische Übergangsregierung und der Westen wenden sich entschieden gegen eine Abspaltung der Krim und halten ein solches Referendum für unrechtmäßig.

Wegen der Entsendung russischer Truppen auf die Krim verhängten die USA am Donnerstag Einreiseverbote und froren Vermögen ein. Auch die Europäische Union beschloss erste Sanktionen.

Kurz reist nach Kiew
Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wird sich am Montag in seiner Funktion als Europarats-Vorsitzender in der ukrainischen Hauptstadt Kiew aufhalten. "Der Europarat kann einen wichtigen Beitrag leisten, die unterschiedlichen Gruppen in der Ukraine zu vereinen", betonte Kurz am Freitag.

Ban ruft zu Besonnenheit auf
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief im Konflikt um die ukrainische Halbinsel Krim alle Beteiligten zur Besonnenheit auf. Das für den 16. März geplante Referendum über den künftigen Status der Krim sei eine "beunruhigende und ernste Entwicklung", ließ Ban am Freitag in New York mitteilen. Er forderte alle beteiligten Parteien auf, "die Angelegenheit mit Ruhe anzugehen".

Putin-Sprecher: "Staatsstreich in Kiew"
Putin-Sprecher Dmitri Peskow sagte dagegen, sollten die "Verantwortlichen für den Staatsstreich in Kiew" die Krim und den Osten des Nachbarlandes erreichen, sei eine Verfolgung der russischen Bevölkerung zu befürchten. Zum Vorschlag, der Westen könne zwischen Russland und der neuen Regierung in Kiew vermitteln, sagte Peskow, darüber könne er nur müde lächeln. Die westlichen Staaten hätten durch ihr Verhalten in der Krise ihre Glaubwürdigkeit verloren. Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wurden am Freitag erneut daran gehindert, auf die Krim zu gelangen.
 

Nächste Seite: Der LIVE-Ticker zum Nachlesen

Seiten: 12
Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Anzeigen

Werbung

Jetzt Live
Diese Videos könnten Sie auch interessieren
Wiederholen
Jetzt NEU

oe24.TV im Livestream: 24 Stunden News!

Live auf oe24.TV 1 / 10

Top Gelesen 1 / 5

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.

Es gibt neue Nachrichten
auf oe24.at
Jetzt Startseite laden
Abbrechen