2.000 Österreicher in Kenia in Gefahr

Präsidentenwahl

2.000 Österreicher in Kenia in Gefahr

Für Tausende Österreicher droht der Traumurlaub in Kenia zum gefährlichen Horror-Trip zu werden: Bis zu 2.000 österreichische Touristen halten sich zurzeit in dem krisengeschüttelten Staat am indischen Ozean auf. Die meisten wollen jetzt nun nur noch nach Hause.

Polizeischutz für Touristen
Augenzeugen berichten von Ausschreitungen auf den Zufahrtsstraßen zum Flughafen Mombasa. Die kenianische Polizei bringt Touristen nun mit gepanzerten Fahrzeugen in ihre Hotels. „Wir raten derzeit von Reisen nach Kenia ab“, warnt der stellvertretende österreichische Botschafter in Kenia Matthias Radosztics gegenüber ÖSTERREICH. Denn: „Jederzeit kann die Situation wieder eskalieren.“ Wer bereits im Land ist, sollte sein Hotel möglichst nicht verlassen. „Die Unruhen sind sehr spontan – man weiß nie, wann und wo ­etwas passiert“, heißt es aus der Botschaft in Nairobi.

Austro-Promis
Zu den betroffenen Touristen zählen auch zahlreiche heimische Prominente wie Wolfgang Ambros, Christian Kolonovits, Modedesignerin Brigitte Just und die Kabarettisten Christoph Grissemann und Thomas Maurer, die sich ihren Weihnachts­urlaub an den kenianischen Traumstränden sicher anders vorgestellt haben. „Man spürt die Unruhe und merkt, dass die Lage angespannt ist“, berichtet Journalist Rudi Klausnitzer.

Chaos am Flughafen
Zwar sind die Flughäfen in Mombasa und Nairobi noch geöffnet, aber Hunderte Urlauber wollen nach den Ausschreitungen nun früher nach Österreich zurück. „Es herrscht Chaos“, berichtet Diplomat Radosztics, da die meisten Flüge bereits im Vorfeld ausgebucht waren.

Umbuchung möglich
Reiseveranstalter versuchen die besorgten Urlauber zu beruhigen: „In den Touristengebieten ist es ruhig“, erklärt Walter Krahl vom Verkehrsbüro. Doch auch wenn es die meisten Unruhen im tourismusarmen Westen des Landes gibt, ist die Sicherheitslage in ganz Kenia äußerst angespannt. Zahlreiche Reiseunternehmen zogen daraus eine erste Konsequenz: Zwar können Reisen nach Kenia nicht storniert, dafür aber kostenlos umgebucht werden. Lesen Sie hier mehr dazu.

Proteste am Donnerstag
Ungeachtet eines Verbots durch die Regierung ruft der kenianische Oppositionsführer Raila Odinga seine Anhänger weiter für diesen Donnerstag zu einer Großdemonstration gegen Fälschungen der Präsidentenwahl auf. Odinga sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe), er erwarte bei dem im Zentrum der Hauptstadt Nairobi geplanten Protestmarsch eine Million Teilnehmer.

Ban Ki-moon will eingreifen
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon will angesichts der eskalierenden Gewalt in Kenia vermittelnd eingreifen. Seine Sprecherin Michele Montas sagte am Mittwoch in New York, Ban stehe derzeit mit der kenianischen Führung, der Afrikanischen Union und anderen betroffenen Parteien in Kontakt, um nach Wegen aus der Gewalt zu suchen. "Eine Lösung im Geiste des Dialogs ist dringend nötig", sagte Montas.

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ÖSTERREICH: Wie ist die aktuelle Lage in Kenia?

Wolfgang Ambros: Unverändert. Mittlerweile gibt es weit mehr als 500 Tote, weil die hier alle verrückt sind. Da wird ein ganz sicher falsches Wahlergebnis zur Stammesfehde missbraucht. Aber bei uns in Diani Beach haben wir, abgesehen davon, dass es kein Bier mehr zu kaufen gibt, kein Problem. Die Einheimischen sind alle ganz normal bei der Arbeit und das Polizei-Aufgebot auf den Straßen wird auch schon wieder weniger. Wir sind ganz ­sicher nicht im Kriegszustand.

ÖSTERREICH: Wie wird es in Kenia weitergehen?

AMBROS: So wie alle Dinge in Afrika, wird sich das alles in zwei, drei Tagen ganz von selbst erledigen. Heute gibt es in Nairobi eine große Demonstration des eigentlichen Siegers Raila Odinga, der ja angeblich die dreifache Mehrheit errungen hat. Da wird sich weisen, was dann weiter passiert. Vor allem, da jetzt auch Merkel und Bush einlenken und meinen, die Opposition soll endlich Ruhe geben.

ÖSTERREICH: Leben Sie selbst in Angst?

AMbros: Nein! Kenia ist und bleibt für mich das schönste Land der Welt. Und deshalb werde ich auch sicher nicht früher als Ende Februar wieder nach Österreich heimfliegen, denn es besteht keinerlei Grund zur Flucht.

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Seit dem Urnengang am 27. Dezember stieg die Zahl der Toten laut Polizei auf knapp 300. Auf der Flucht vor den Unruhen verbrannten am Dienstag in der westlichen Stadt Eldoret mindestens 30 Menschen bei lebendigem Leibe in einer Kirche.

Gotteshaus angezündet
Ein wütender Mob habe das Gotteshaus angezündet, in das sich vorwiegend Frauen und Kinder geflüchtet hätten, berichtete die Zeitung "Daily Nation". Nach Angaben der Polizei seien bis zu 40 Frauen und Kinder gestorben, hieß es. Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Mitarbeiter des Roten Kreuzes mit den Worten, in der Kirche seien mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen, darunter Kinder.

Die Situation in der Stadt sei "unvorstellbar", sagte der Generalsekretär des kenianischen Roten Kreuzes, Abbass Gulled. Ein ranghoher Polizist bezeichnete die schweren Zusammenstöße von rivalisierenden Gruppen als "ethnische Säuberung". Einem Kommandanten zufolge erhielt die Polizei in Eldoret einen Schießbefehl gegen Aufständische. Es handelt sich um die schwersten politisch motivierten Gewalttaten seit einem Putschversuch 1982.

Mord mit Macheten
Neben Eldoret ist die südlich davon gelegene Stadt Kisumu ein Brennpunkt der Unruhen. In der Neujahrsnacht seien mindestens 66 Todesopfer gefunden worden, teilten die Polizei und die Verwaltung der örtlichen Leichenhalle mit. Zahlreiche Opfer hätten "frische Einschusslöcher" aufgewiesen, mindestens vier Menschen seien mit Macheten getötet worden. Seit Montag seien mehr als hundert Leichname eingeliefert worden. In den Armenvierteln hat die Odinga-Partei Orange Democratic Movement (ODM) zahlreiche Anhänger.

Die ODM erkennt das Wahlergebnis nicht an, dessen Auszählung mehrere Tage dauerte. Die Opposition geht davon aus, dass das Ergebnis gefälscht wurde. Präsident Kibaki zeigte sich in seiner Neujahrsansprache zur "Härte" entschlossen. Odinga kündigte am Montag "friedliche Massenproteste" an. Am Donnerstag werde es in Nairobis Uhuru-Park eine Kundgebung mit einer Million Menschen geben. Der 62-jährige Politiker hatte ursprünglich bereits für Montag zu einer Kundgebung aufgerufen und angekündigt, sich dabei zum "Volkspräsidenten" zu erklären. Die Polizei verbot "aus Sicherheitsgründen" auch die für Donnerstag geplante Versammlung.

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