Die Temperaturen im tropischen Pazifik steigen rasant an und deuten auf die Entstehung eines historischen El-Niño-Ereignisses hin. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sieht darin ein klares Anzeichen für die Entstehung eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit dem Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen. Diese für die Entstehung des Klimaphänomens entscheidende Schlüsselregion verzeichnete bereits im Juli Temperaturwerte weit über dem langjährigen Durchschnitt, was die Sorgen der Wissenschafter massiv verstärkt.
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Auch die US-Klimabehörde (Noaa) schlägt Alarm und stuft die Wahrscheinlichkeit für ein "sehr starkes" Ereignis in den kommenden Monaten auf über 90 Prozent ein. Damit erreicht die Prognose die höchste von vier Kategorien. Die Berechnungen der Klimatologen deuten darauf hin, dass die Temperaturen heuer einen neuen, historischen Höchstwert erreichen könnten.
Für den Zeitraum von Oktober bis Dezember 2026 berechnen die Experten eine 69-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein historisches Ereignis. Sollte dieses Szenario eintreffen, würde die Intensität alle bisherigen El-Niño-Ereignisse seit dem Jahr 1950 übertreffen. Ein solches Ausmaß an Erwärmung hat weitreichende Konsequenzen für die globale Zirkulation der Erdatmosphäre und verschiebt Wettermuster rund um den Globus auf drastische Weise. Während einige Erdteile von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht werden könnten, drohen anderen Regionen extreme Dürreperioden.
- Teile des amerikanischen Doppelkontinents (sowohl Nord- als auch Südamerika)
- Große Gebiete in Australien
- Weite Teile Asiens
- Zahlreiche Regionen auf dem afrikanischen Kontinent
Unmittelbare Folgen für Europa noch unklar
Die direkten klimatischen Auswirkungen auf Europa und den Alpenraum sind aufgrund der enormen geografischen Entfernung zum tropischen Pazifik schwer vorherzusagen. Nach Einschätzung des DWD sind die hiesigen Effekte deutlich weniger stark ausgeprägt und hängen von einer Vielzahl komplexer Faktoren ab. Eine präzise und adäquate Prognose für das europäische Winterwetter ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich, da die atmosphärischen Wechselwirkungen extrem vielschichtig sind.
Dennoch müssen sich die Menschen auch in Österreich auf indirekte Auswirkungen einstellen, die vor allem die Wirtschaft und den Handel betreffen. Schlechte Ernten in den Hauptanbaugebieten des Pazifikraums führen erfahrungsgemäß zu empfindlichen Preissteigerungen auf dem Weltmarkt.
Sorge auf Handelsroute wegen Trockenheit
Ein weiteres, konkretes Problem zeichnet sich bereits an einer der wichtigsten Handelsstraßen der Welt ab. Die Verwaltung des Panamakanals hat angekündigt, die Zahl der erlaubten Schiffspassagen ab September schrittweise zu reduzieren. Da die wichtige Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik mit einem komplexen Schleusensystem betrieben wird, fließt bei jeder Passage eine immense Menge an Süßwasser ungenutzt ins Meer ab.
Trotz der laufenden Regenzeit und der bereits umgesetzten Wassersparmaßnahmen sind wegen der drohenden El-Niño-Trockenheit zusätzliche vorbeugende Schritte dringend erforderlich. Wenn weniger Schiffe die Abkürzung durch den Kanal nehmen können, drohen erhebliche Störungen in den globalen Lieferketten, was wiederum den Druck auf die Verbraucherpreise in Europa weiter verschärfen dürfte. Die kommenden Monate werden zeigen, wie stark die Weltwirtschaft von diesem Klimaphänomen tatsächlich getroffen wird.
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