Regierung
Kopftuchverbot missachtet: Das sind die Hotspots
Zwei Wochen nach Inkrafttreten des Kopftuchverbotes für unter 14-jährige Mädchen an Schulen ist das Bildungsministerium mit der Umsetzung soweit zufrieden. Es werde größtenteils eingehalten, österreichweit gebe es nur wenige bekannte Fälle von Verstößen, derzeit in etwa 80, heißt es aus dem Ministerium. In den Bildungsdirektionen lautet eine erste Zwischenbilanz: "Die Umsetzung erfolgt großteils problemlos." Eine Anzeige gab es bisher in Niederösterreich.
Seit diesem Schuljahr ist per Gesetz verboten, dass ein Mädchen unter 14 am Schulgelände "das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt". Bei einem Verstoß wird es zuerst in einem vertraulichen Einzelgespräch von der Klassenlehrkraft aufgefordert, das Kopftuch abzunehmen. Wirkt das nicht, ist "unverzüglich" die Direktion einzuschalten, die die Eltern über das Gesetz und dessen Ziel - den Schutz der Mädchen vor gesellschaftlichem oder religiösem Druck - informieren muss. Kommt das Mädchen trotzdem weiter mit Kopftuch in die Schule, wandert das Verfahren in die Bildungsdirektion.
Geldstrafen bis zu 800 Euro
Bei weiteren Verstößen kann die Bezirksverwaltungsbehörde Geldstrafen bis zu 800 Euro verhängen, und zwar auch mehrfach. Bisher gebe es nur "einige Fälle", die auf diese Ebene gehoben wurden, weil es durch die Gespräche zwischen Schulleitung und Eltern zu keiner Einigung gekommen ist. Erst wenn auch dieses Gespräch erfolglos verläuft, wird der Verstoß durch die Bildungsdirektion zur Anzeige gebracht.
Meiste Fälle in Wien - und zwar in Gymnasien
Einen solchen Fall gab es bereits in Niederösterreich: Die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen zeigte die Eltern des Mädchens an. Die meisten Fälle kommen aber ohne Anzeige aus.
Die meisten Verstöße gab es im Osten, wo die Schule eine Woche früher startete. Konkret weist die Bildungsdirektion Wien bisher 55 gemeldete Fälle von Verstößen auf. Dabei fällt auf, dass die Gymnasien klar führen: 34 Fälle gab es in AHS, 19 in Mittel- und 2 in Sonderschulen. In der Wiener Bildungsdirektion verweist man darauf, dass es gerade in Gymnasien dazu komme, dass Über-14-Jährige neben Unter-14-Jährigen in den Klassen sitzen würden, das führe eben dann zu Problemen,
in Niederösterreich sind rund zehn Fälle gemeldet. Im Burgenland ist ein Fall bekannt, keiner in Tirol und Vorarlberg. Die Bildungsdirektion Steiermark meldet sieben bekannte Fälle, Salzburg fünf. In Oberösterreich gibt es bisher zwar einige Schülerinnen, die nach wie vor das Kopftuch tragen, ein konkretes Lagebild fehle hier aber noch; ähnlich ist die Lage in Kärnten.
Minister sieht Erfolg
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) wertet diese Zahlen als Erfolg: "Wir haben daher bereits sehr früh begonnen, Schulen, aber auch Erziehungsberechtigte und Schülerinnen über die neue Gesetzeslage zu informieren und die diesbezüglichen Regelungen zu erklären. Das macht sich jetzt bezahlt. Mir war es besonders wichtig, dass Pädagoginnen und Pädagogen sowie die Schulleitungen gut vorbereitet sind und wissen, wie sie vorgehen müssen, ohne dass die Beziehung mit den Schülerinnen unnötig darunter leidet."
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