STROMNETZ

"Monsterleitung" in Kärnten fast 200 km lang

Breite Bewegung gegen Netzausbau formiert sich. Anwalt stellt Frage nach Finanzierbarkeit durch den Staat.
OE24 auf Google bevorzugen
380-kV-Strommasten
Netzausbau bringt Wertverlust für Immobilien. © Getty Images

Klagenfurt/Lienz. Vertreter eines Zusammenschlusses von 16 Bürgerinitiativen haben am Freitag in Klagenfurt vor Journalisten das Aus für den von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz GmbH geplanten 380-kV-Netzausbau in Kärnten gefordert. Das milliardenteure Bauvorhaben sei nicht notwendig, verschandle die Landschaft und bedeute für die Anrainer einen massiven Wertverlust ihrer Immobilien, so der Tenor.

Anwalt Wolfgang List stellte infrage, dass sich die Republik das Bauprojekt überhaupt leisten könne. Die Kosten würden dann über die Netzkosten auf die Konsumenten umgelegt. Aus seiner Sicht gibt es zu wenige öffentlich einsehbare Unterlagen, deshalb wisse man nicht, warum das Projekt überhaupt verfolgt werde. List will unter anderem den Rechnungshof einschalten. Eberhard Burkel vom Verein "Lebensraum Kärnten ohne Hochspannungs-Stromfreileitungen", ein emeritierter Physikprofessor aus Deutschland und Anrainer am Ossiacher Tauern, verwies auf den Passus zum Landschaftsschutz in der Kärntner Landesverfassung. "Wir sind nicht damit einverstanden, dass die Landschaft verschandelt wird." Die geplanten Masten seien ähnlich hoch wie der Pyramidenkogel-Turm, eines der Wahrzeichen Kärntens.

Gegen Windräder und "Monsterleitung"

Mitstreiterin Christa Hintermann von der Bürgerinitiative "Gegenstrom 380kV" sagte, sie habe sich schon gegen Windräder auf Bergen engagiert, "jetzt kommt dasselbe mit dieser Monsterleitung". Sie hat einen Folder zusammengestellt, mit dem die Bürgerinitiativen gegen die "Stromautobahn von Lienz nach Völkermarkt" mobil machen wollen. Befürchtet werden massive Eingriffe in die Natur, Bodenversiegelung, neue, schwerlasttaugliche Straßen und Rangierflächen - die Trasse verläuft großteils durch Waldgebiete - Schäden für die Biodiversität, erhöhte Brandgefahr, elektromagnetische Felder und Lärm.

Unternehmensberater Peter Unterluggauer sagte, es bestehe kein Bedarf an einer neuen Hochspannungsleitung. Er hegt auch Zweifel, dass die Industrie den Netzausbau braucht. Die "unnötige Leitung" soll eingespart werden zur Entlastung der Netzkosten. Die APG habe bereits große Kapazitätsreserven, bestehende Trassen könnten durch technische Optimierung ihre Kapazitäten verdoppeln.

192 Kilometer Trasse von Lienz bis Obersielach

Die neue, 192 Kilometer lange Trasse zwischen Lienz, Osttirol, und Obersielach in Kärnten soll spätestens 2035 in Betrieb gehen und das Stromnetz in Österreich besser und stabiler machen. Die Kelag-Tochter Kärnten Netz ist bei dem Projekt dabei und verlegt über einen Großteil der Strecke eine 110-kV-Leitung mit. Aktuell finden die Detailabstimmungen zur Trasse statt. APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner sagte in einer Aussendung am Freitag: "Mit dem Projekt Netzraum Kärnten schließen wir die einzige Lücke, die es im 380-kV-Versorgungsring Österreichs noch gibt." Auch für Kärnten sei die Leitung essenziell, damit die Industrie ihre Prozesse dekarbonisieren kann und Zugang zu preisgünstigem Strom hat, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden