Terror-Alarm

Netanyahu empfängt Lebensretter im blutverschmierten T-Shirt

Ein Mann im Anzug legt einem Mann im weißen, verschmutzten T-Shirt die Hand auf die Schulter.
© APA/AFP/ISRAELI PRIME MINISTER'S
In einem hochdramatischen Treffen hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dem Passagier Yaniv Hayoun persönlich für seinen lebensrettenden Einsatz an Bord eines Flydubai-Fluges gedankt. Der mutige Fluggast verhinderte kurz zuvor in Tausenden Metern Höhe den gezielten Absturz einer vollbesetzten Boeing.
OE24 auf Google bevorzugen

Die Bilder des Zusammentreffens unterstreichen den Ernst der Lage: Yaniv Hayoun trat unmittelbar nach den dramatischen Ereignissen und der erfolgten Landung vor das Staatsoberhaupt – noch immer gekleidet in jenes T-Shirt, das während des erbitterten Ringens im Cockpit mit Blut befleckt worden war.

Benjamin Netanyahu zeigte sich im persönlichen Gespräch tief beeindruckt von der Kaltblütigkeit des Zivilisten:

  • Persönliche Anerkennung: Der Regierungschef betonte unmittelbar: „Sie haben viele Leben gerettet. Sie haben eine schwere Katastrophe verhindert."
  • Würdigung der Zivilcourage: Netanyahu hob hervor, dass die eingreifenden Fluggäste eine „außergewöhnliche Geistesgegenwart und beispiellosen Mut" an den Tag gelegt hätten.
  • Erste Einstufung der Tat: Bei der Schilderung der Ereignisse vor dem Premier wurde das volle Ausmaß deutlich – die israelische Regierung stuft die Messer-Attacke mittlerweile offiziell als gezielten Terrorakt eines Einzeltäters ein.
Zwei Männer stehen in einem Raum und unterhalten sich; einer trägt Anzug, der andere Freizeitkleidung.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu mit dem Passagier Yaniv Hayoun © APA/AFP/ISRAELI PRIME MINISTER'S

Verzweifelter Kampf um die Bordinstrumente

Gegenüber dem Ministerpräsidenten schilderte Hayoun detailliert die beklemmenden Minuten vor der Rettung. Etwa eine Stunde vor der geplanten Ankunft war der Co-Pilot plötzlich mit einer Klingenwaffe auf den Kapitän losgegangen und hatte diesen schwer attackiert. Unter Einsatz seiner letzten Kräfte gelang es dem verletzten Piloten, die Cockpittür für die Kabine zu entriegeln.

Karte zeigt Umleitung des Flugs FZ1073 von Dubai nach Tabuk nach Notfall vor Tel Aviv.
© APA

Hayoun zwängte sich durch den Türspalt und sah, wie der Amokläufer bereits dabei war, wichtige Bordinstrumente mutwillig zu zerstören, um die Maschine manövrierunfähig zu machen:

  • Hayoun packte den tobenden Co-Piloten im Würgegriff und riss ihn aus der Pilotenkanzel in den Kabinengang.
  • Da die Maschine bereits in weniger als zwei Minuten Tausende Meter in die Tiefe gestürzt war und das Licht im Flugzeug erlosch, musste sofort gehandelt werden.
  • An Bord befanden sich insgesamt 174 Passagiere, die in Todesangst um ihr Überleben schrien.

Das Doku-Geständnis vor dem Premier

Auf die erstaunte Nachfrage von Benjamin Netanyahu, wie ein einfacher Fluggast ohne fliegerische Ausbildung ein abstürzendes Großraumflugzeug abfangen konnte, lieferte Hayoun eine bemerkenswerte Erklärung: Er verdankte sein Handlungswissen der bekannten Dokumentarreihe „Mayday – Alarm im Cockpit".

„Ich sprang wieder hinein, zog am Steuerhorn nach hinten", berichtete Hayoun dem Premier und schob mit erstaunlicher Bescheidenheit nach: „Darin werden Flugkatastrophen nachgestellt und analysiert. Ein bisschen kenne ich mich also aus." Durch das Zurückziehen des Steuerhorns fing sich die Boeing ab. Kurz darauf übernahmen zwei zufällig mitreisende Passagiere mit Pilotenschein die weitere Steuerung.

Banken-Chef stürmte zur Hilfe – Notlandung in Tabuk

Zu den weiteren Ersthelfern zählte Tzvika Manes, Vorstandsvorsitzender einer israelischen Bank, der mit seiner Familie an Bord war. Seine Ehefrau hatte Hilfeschreie aus dem Cockpit vernommen und das gezückte Messer gesehen. Zusammen mit weiteren Männern fixierte Manes den Angreifer am Boden, während die Ersatzpiloten die Maschine sicher auf dem saudi-arabischen Flughafen Tabuk landeten.

Kapitän und Erster Offizier wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert, während die 174 Passagiere unversehrt blieben. Die saudi-arabischen Behörden übernahmen das Verhör des Täters, während in Israel die mutigen Zivilisten als Nationalhelden gefeiert werden.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden