Im Naturpark

Öko-Alarm: Krabben-Invasion bedroht Italien

Viele lebende blaue Krabben liegen übereinander, deutlich sind blaue Scheren erkennbar.
© Getty Images
Blaue Schwimmkrabben haben sich nun in Siziliens Naturschutzgebiet Vendicari verbreitet. Nun warnen Forscher, dass dies kein vorübergehendes Phänomen ist.
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Die Invasion der Blauen Schwimmkrabben im tiefen Südosten Siziliens sorgt weiterhin für Schlagzeilen in ganz Europa. Vor über zwanzig Tagen starteten Experten eine Notfallphase, um die unkontrollierte Ausbreitung der Krabben in den Kanälen des berühmten Naturschutzgebiets Oasi faunistica di Vendicari einzudämmen. Nun zieht der Meeresbiologe Francesco Tiralongo, der wissenschaftliche Leiter des Projekts AlienFish, im Gespräch mit der renommierten Tageszeitung Corriere della Sera eine erste Zwischenbilanz. Die Krabben erweisen sich als extrem hartnäckige Gegner, die das gesamte Ökosystem der Region bedrohen.

Obwohl die eingeleiteten Maßnahmen erste kleine Erfolge zeigen, bleibt die Lage äußerst kritisch. Francesco Tiralongo warnt davor, die Situation zu unterschätzen: "Nach mehr als zwanzig Tagen nimmt der Druck ab, auch wenn die Art weiterhin häufig vorkommt, jetzt sind kontinuierliches Monitoring und Eingriffe nötig. Wir können nicht an gelegentliche Maßnahmen denken. Wir müssen die Dynamik der Population der Blauen Schwimmkrabben verstehen und adaptiv handeln." Ein einfaches Abwarten oder punktuelle Aktionen würden laut dem Experten nicht ausreichen, um die biologische Katastrophe abzuwenden.

Keine einfache Ausrottung der Eindringlinge möglich

Die Hoffnung auf eine schnelle, endgültige Lösung des Problems müssen die Verantwortlichen begraben. Die Atlantische Blaue Schwimmkrabbe hat sich bereits viel zu stark im Mittelmeerraum etabliert, als dass man sie einfach wieder komplett entfernen könnte. Das Forschungsteam der Universität Catania verfolgt daher eine weitaus realistischere Strategie. Es geht nicht um die vollständige Ausrottung, sondern um eine gezielte lokale Reduzierung der Fortpflanzung und das Sammeln überlebenswichtiger Daten.

"Es ist wichtig, sehr deutlich zu sein: Wir sprechen nicht von einer endgültigen Lösung des Problems", stellt Tiralongo klar. Das Team will an den sensibelsten Punkten des Reservats eingreifen, um die Dichte der Krabben vor Ort zu verringern. Parallel dazu wird eine umfassende Datengrundlage aufgebaut, die genau aufzeigt, wann, wo und wie künftige Eingriffe erfolgen müssen. Mit Netzen, Reusen und direkten Beobachtungen analysieren die Forscher jede Bewegung der Krabben in den Kanälen.

Warum die Blaue Schwimmkrabbe so gefährlich ist

Die eigentlich an der amerikanischen Atlantikküste beheimatete Art verdankt ihren fatalen Erfolg im Mittelmeer einer Reihe von biologischen Superkräften. Sie sind extrem widerstandsfähig und opportunistische Raubtiere, die vor fast nichts zurückschrecken. Sie fressen Weichtiere, andere Krebse, kleine Fische und praktisch alle bodenbewohnenden Organismen, die ihnen in die Quere kommen.

Die gefährlichsten Eigenschaften der invasiven Art im Überblick:

  • Enorme Anpassungsfähigkeit: Die Krabben vertragen extreme Schwankungen des Salzgehalts und der Wassertemperatur problemlos.
  • Vielseitige Lebensräume: Sie besiedeln offene Meere, Lagunen und Flussmündungen gleichermaßen erfolgreich.
  • Aggressives Jagdverhalten: Als opportunistische Räuber verdrängen sie heimische Arten und zerstören die Nahrungsketten.
  • Hohe Fortpflanzungsrate: Die Populationen wachsen in kürzester Zeit exponentiell an.

Das Mittelmeer als Labor für die Zukunft

Der Fall Vendicari hat längst die lokale Dimension überschritten und besitzt mittlerweile einen hohen nationalen und internationalen Stellenwert. Durch die rasant fortschreitende Erwärmung des Mittelmeers dringen immer mehr gebietsfremde Arten in europäische Gewässer ein. Das sizilianische Reservat wird deshalb nun zu einem wegweisenden, natürlichen Labor umfunktioniert. Hier sollen Managementansätze erprobt werden, die sich im Anschluss auf alle anderen gefährdeten Küstenregionen im gesamten Mittelmeerraum übertragen lassen.

Wissenschafter betonen, dass der größte Fehler im Umgang mit invasiven Arten der kurzfristige Aktivismus ist. Nur wenn auch nach dem Abflauen des medialen Interesses weiter geforscht wird, kann man die Populationsdynamik wirklich verstehen und nachhaltige Gegenstrategien entwickeln. Vendicari könnte somit zum alles entscheidenden Referenzmodell für die Zukunft des maritimen Naturschutzes in Europa werden.

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