Rund 50.000 Fahrzeuge überqueren täglich die Reichsbrücke. Doch ausgerechnet im Jahr des 50. Jahrestags eines der schwersten Brückenunglücke Österreichs sorgen Risse im Tragwerk erneut für Diskussionen. Die FPÖ äußert Sicherheitsbedenken und kritisiert die Stadt wegen mangelnder Investitionen. Die zuständige MA 29 gibt hingegen Entwarnung.
Die Sorge hat auch einen historischen Hintergrund. Am 1. August 1976 ist die damalige Reichsbrücke in den frühen Morgenstunden plötzlich eingestürzt. Ein Pkw wurde in die Donau gerissen, der Lenker kam ums Leben. Ein städtischer Gelenkbus blieb auf den Trümmern liegen, sein Fahrer überlebte unverletzt. Dass sich das Unglück an einem Sonntag gegen 4.30 Uhr ereignet hat, verhinderte wohl eine noch größere Katastrophe. Die Erschütterungen waren sogar auf der Erdbebenstation der Hohen Warte messbar.
Unglücksbus steht heute in der Remise
Wie knapp der Busfahrer dem Tod entkommen ist, zeigt ein kurioses Detail. Weil er zu spät zum Dienst gekommen war, hatte er eine Abkürzung über die Reichsbrücke genommen. Der Bus wurde später geborgen, repariert und war noch bis 1989 im Einsatz. Heute kann das Fahrzeug im Verkehrsmuseum Remise besichtigt werden.
Als Ursache für den Einsturz wurden schwere Baumängel festgestellt. Ein Pfeiler der nach dem Zweiten Weltkrieg sanierten Brücke war teilweise mit Sand und unverdichtetem Beton gefüllt. Eindringendes Wasser hatte die Konstruktion geschädigt. Die heutige Reichsbrücke ist ein Neubau, der 1980 eröffnet wurde und auch die Verlängerung der U1 über die Donau ermöglichte.
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Stadt spricht von winzigen Rissen
Nun sorgen Risse an diesem Bauwerk für politische Diskussionen. FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp verweist gegenüber "Wien heute" auch darauf, dass die U1 im Bereich der Reichsbrücke derzeit langsamer fährt. Das weckt bei ihm zusätzliche Zweifel an der Sicherheit der Brücke.
Die MA 29 (Brückenbau und Grundbau) widerspricht den Befürchtungen. "Die Reichsbrücke ist absolut sicher", betont der stellvertretende Abteilungsleiter Thomas Herzfeld im ORF. Die Risse seien lediglich 0,2 bis 0,3 Millimeter breit und auf bauartbedingte sowie materialtypische Abnutzungserscheinungen zurückzuführen. Bekannt sind die Risse bereits seit 2021. Seither werden mögliche Veränderungen laufend überwacht. Dafür sind weiße Messboxen an der Brücke angebracht, die sowohl die Breite als auch die Bewegungen der Risse aufzeichnen.
Langsamere U1 hat anderen Grund
Auch die Wiener Linien weisen einen Zusammenhang mit den Rissen zurück. Dass die U1 zwischen Vorgartenstraße und Donauinsel derzeit mit 60 statt 80 km/h unterwegs ist, liege an abgenutzten Weichen. Diese sollen erneuert werden. Bis dahin gilt aus Sicherheitsgründen eine Geschwindigkeitsbeschränkung. Beim Einfahren in die Stationen fahren die Züge noch langsamer. Für Nepp ist die Situation dennoch Anlass zur Kritik an der Stadt. Der FPÖ-Chef bemängelt sinkende Infrastrukturinvestitionen und verweist auf frühere Beanstandungen durch den Stadtrechnungshof. "Warum ist in den letzten zehn Jahren nichts passiert, dass die Risse saniert werden?", fragt Nepp.
Letzte große Prüfung erst 2025
Tatsächlich hat der Stadtrechnungshof bereits 2016 Mängel bei der Überprüfung der Reichsbrücke festgestellt. Die MA 29 betont jedoch, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden habe. Die Brücke werde regelmäßig nach einem festgelegten Schema kontrolliert. Alle sechs Jahre finde eine umfassende Hauptprüfung statt, dazwischen gebe es alle zwei Jahre weitere Kontrollen. Zusätzlich werde das Bauwerk etwa dreimal jährlich begangen, erklärt Dirk Neuburg, Leiter des Fachbereichs Bauwerkssicherheit in der MA 29.
Die letzte Hauptprüfung ist erst 2025 erfolgt. Für die Stadt steht fest, dass die Reichsbrücke trotz der Risse sicher ist. Weder für den Verkehr auf dem Bauwerk noch für Menschen darunter bestehe eine Gefahr.
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