Kommende Nacht

Trump droht mit neuen USA-Angriffen auf Iran

Ein Mann im dunklen Anzug mit gelber Krawatte spricht auf einer Konferenz in Ankara, Türkei.
© Getty Images
US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit einem massiven Militärschlag und der Besetzung der strategisch wichtigen Insel Kharg.
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"Es könnte ein großer Angriff werden", sagte Trump am Mittwoch. Falls nötig, würden die USA auch die Strom-und Wasserwerke des Landes ausschalten. Er wolle dies jedoch eigentlich nicht, erklärte er weiter. Das US-Militär habe den Iran vergangene Nacht "hart getroffen" und "wir werden sie höchstwahrscheinlich auch heute Nacht wieder hart treffen."

Trump zeigte sich nicht glücklich über das "sehr schlechte Benehmen" der Führung in Teheran. Zugleich sagte er am Mittwoch bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des NATO-Gipfels im türkischen Ankara, dass er abwarten wolle, "wie sich alles entwickelt".

Das US-Militär hatte in Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormuz in der Nacht auf Mittwoch Dutzende Ziele im Iran bombardiert. Zudem setzten die USA Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Militär kündigte Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die US-Angriffe an. Kurz darauf meldete die Armee des mit Washington verbündeten Golfstaats Kuwait feindlichen Beschuss. Auch in Bahrain heulten am frühen Morgen die Sirenen. Eigentlich hatten die USA und der Iran eine Waffenruhe vereinbart.

Feuerpause zuvor für beendet erklärt

Bereits zuvor hatte Trump die Feuerpause mit der Islamischen Republik jedoch für beendet erklärt. "Was mich betrifft, ist sie vorbei", sagte Trump am Mittwoch auf dem NATO-Gipfel in Ankara auf die Frage eines Journalisten zur Mitte Juni in Kraft getretenen Waffenruhe. "Es ist reine Zeitverschwendung, sich mit ihnen abzugeben", sagte Trump weiter über die iranische Führung.

Trump fügte hinzu: "Das sind fiese Typen, deshalb haben sie es auf jeden abgesehen, wahrscheinlich auch auf mich. Ich stehe schon seit Jahren ganz oben auf ihrer Liste. Und sie sind ein Haufen Abschaum, um ehrlich zu sein. Sie sind Abschaum." Auf die Frage, ob seine Aussagen nun bedeuteten, dass Gespräche mit dem Iran nicht wieder aufgenommen würden, sagte Trump: "Das ist mir egal. Sie können reden, aber ich glaube, sie verschwenden ihre Zeit."

US-Angriffe "absolut notwendig"

Er werde jedoch mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über die Verhandlungen mit Teheran sprechen, sagte Trump. "Ich werde unseren wunderbaren Unterhändlern erlauben weiterzureden, wenn sie wollen, aber ich sehe es nicht", sagte der US-Präsident. Die Angriffe der USA auf iranische Ziele in der Nacht auf Mittwoch bezeichnete Trump als "sehr heftig" und ergänzte: "Wir haben ihnen gestern Abend sehr hart zugesetzt, sehr hart."

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hatte beim Gipfeltreffen in Ankara die US-Angriffe als "absolut notwendig" bezeichnet. Der Iran habe die bestehende Waffenruhe "im Grunde genommen verletzt", sagte Rutte. Es sei "absolut entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren", fügte er hinzu.

Weitere US-Angriffe gegen den Iran

Trump sagte, dass ein wieder aufgebautes Radar des Irans bei den gestrigen Angriffen zerstört worden sei. Das US-Militär habe ferner die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Kharg angegriffen.

Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte das Militär zudem unter anderem unterirdische Anlagen, in denen der Iran Drohnen und Raketen lagern soll, sowie Verteidigungsanlagen an der Küste ins Visier genommen. Auch Radarstationen und Überwachungsanlagen seien angegriffen worden, sagte Hegseth weiter.

Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei. Nach iranischen Angriffen auf US-Stützpunkte im Nahen Osten - betroffen waren laut iranischen Angaben der Stützpunkt Bandar Salman, das Hauptquartier der Fünften US-Flotte in Bahrain, sowie der Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait - hatten die USA erneut Ziele im Iran bombardiert. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete am Mittwoch eine Reihe von Explosionen in der Hafenstadt Bushehr im Südwesten des Landes, wo sich das einzige zivile Atomkraftwerk des Iran befindet.

Angriffe in der Nacht auf Mittwoch

Unterdessen meldeten die iranischen Revolutionsgarden den Tod eines Mitglieds in der Stadt Mahshahr. Mohammed Reza Khasini, Mitglied der Marine der Revolutionsgarden, sei bei einem US-Drohnenangriff in Mahshahr nahe der Grenze zum Irak durch Granatsplitter tödlich verwundet worden. Das berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch unter Berufung auf eine Stellungnahme der Revolutionsgarden.

Die USA griffen in der Nacht auf Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran an. Die US-Armee begründete die neue Angriffswelle mit einem vorangegangenen Beschuss von drei Tankern im Bereich der Straße von Hormuz, für den Washington die Führung in Teheran verantwortlich macht. Das Militär habe unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormuz getroffen. Das teilte CENTCOM, das für den Nahen und Mittleren Osten sowie Zentralasien zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte, mit.

Reaktionen auf Angriffe

Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf warf den USA vor, das Abkommen gebrochen zu haben. Er verwies auf die Militärschläge, neue Ölsanktionen und israelische Angriffe auf den Libanon. "Die Ära der Schikane und Erpressung ist vorbei", erklärte er auf X. "Wir knicken nicht ein."

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, die Angriffe der USA und des Iran "verkomplizieren die ohnehin schon heiklen Gespräche zur Beendigung des Krieges zusätzlich". Im Onlinedienst X betonte sie zugleich, die Angriffe des Iran auf Bahrain und Kuwait seien "inakzeptabel".

Experte: US-Regierung muss sich entscheiden

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, wenn für Washington der Abschluss eines dauerhaften Abkommens mit dem Iran Priorität habe, müsse Washington akzeptieren, dass es "keine realistische Rückkehr zu dem Status quo" vor Beginn des Krieges in der Straße von Hormuz gebe. Die USA und Israel hatten den Krieg gegen den Iran am 28. Februar begonnen. Aus Irans Sicht hätten sich die Spielregeln seither geändert, schrieb Citrinowicz.

Es sei unwahrscheinlich, dass der Iran seinen Kurs aufgrund von zusätzlichem Druck ändern wird, hieß es. Sollte für die US-Regierung hingegen die Wiederherstellung des früheren Status quo im Vordergrund stehen, müsse sie sich auch im Klaren sein, dass die Chancen auf ein Abkommen "erheblich sinken, während das Risiko einer erneuten Eskalation steigt." Die US-Regierung müsse sich entscheiden, welches Ziel für sie wichtiger sei, schrieb der Experte.

Seit Anfang April gilt in dem US-israelischen Krieg gegen den Iran eine brüchige Waffenruhe. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen, das weitere Verhandlungen zu einer dauerhaften Beendigung des Krieges vorsieht. Diese Gespräche stocken derzeit. Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden "den Job zu Ende bringen". Irans Außenminister Abbas Araqchi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.

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