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Vollspaltenboden: Ruf nach tiergerechter Schweinehaltung
Für Schweine auf Vollspaltenböden geht es jetzt um alles.
Die frühere Regelung von 2022, die ein schrittweises Aus für Vollspaltenbuchten vorsah, wurde mit der Gesetzesnovelle von 2025 geändert. Bestehen blieb jedoch der gesetzliche Auftrag, alternative Haltungssysteme wissenschaftlich zu evaluieren und auf dieser Grundlage einen neuen Mindeststandard zu entwickeln. Das Projekt soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Danach ist eine fachliche Begutachtung vorgesehen. Wie Schweine in Österreich künftig gehalten werden, soll die Bundesregierung daher in den kommenden Monaten klären.
Der Verein gegen Tierfabriken, kurz VGT, hat am Mittwoch vor dem Parlament erneut eine Neuregelung der Schweinehaltung auf Vollspaltenboden gefordert.
Bereits 2022 wurde im Tierschutzgesetz festgelegt, dass Ende 2026 ein neuer Mindeststandard in der Schweinehaltung festgelegt werden muss. Aus Sicht des VGT ist das dringend notwendig: Auf Vollspaltenböden stehen die Tiere auf harten Betonflächen mit schmalen Öffnungen für Kot und Harn. Einstreu, auf der die Schweine wühlen und ihr natürliches Verhalten ausleben können, fehlt dabei meist.
Auch ein aktuelles Gerichtsurteil gibt es dazu.
Das Handelsgericht Wien hat in seinem Urteil vom Oktober 2026 im Rechtsstreit zwischen einem österreichischen Lebensmittelkonzern und dem VGT festgehalten, dass die Haltung auf Vollspaltenböden im Vergleich zur ökologischen Haltung nicht nur mit höheren Verletzungs- und Sterblichkeitsraten einhergeht. Auch vermehrt schmerzhafte Gelenke, Hufwunden, Lungenentzündungen, Leberwürmern und Klauenverletzungen sind damit verbunden.
Mit Transparenten und einer Tierschützerin im Schweinekostüm machte der VGT vor dem Parlament auf die Situation aufmerksam. Grüne Abgeordnete bedankten sich beim VGT dafür, für die Schweine einzustehen.
VGT-Obperson Martin Balluch fordert, dass Österreich beim Tierschutz nicht hinter andere Länder zurückfällt. Auch in den Niederlanden und Dänemark sei die Schweinehaltung im Umbruch. Nun müsse die Bundesregierung zeigen, ob sie ihren angekündigten Verbesserungen tatsächlich Taten folgen lässt.
Was sagen Studien und Untersuchungen zum Vollspaltenboden?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt Verletzungen, Lahmheit und eingeschränktes natürliches Verhalten als zentrale Tierschutzprobleme der Schweinehaltung. Eine britische Studie mit 2.283 Jungschweinen stellte bei 39,6 Prozent Fußläsionen fest. Eine weitere fand bei 93 Prozent von 279 säugenden Sauen Gliedmaßenveränderungen. Bei Sauen in Innenhaltung war das Risiko für bestimmte Wunden auf Vollspaltenboden 6,8-mal höher als auf festen Böden mit Einstreu. Laut EFSA können ungünstig gestaltete Spalten Verletzungen begünstigen: Klauen können hängen bleiben, sich verdrehen oder durch schmale Stege übermäßig belastet werden.
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Bei Vollspaltenböden fallen Kot und Harn durch die Öffnungen und sammeln sich darunter als Gülle. Dabei entsteht Ammoniak, das Atemwege und Augen reizen kann. Bei Strohhaltung wird der Kot gemeinsam mit der Einstreu regelmäßig entfernt. Wie viel Ammoniak entsteht, hängt aber auch von Lüftung, Temperatur und Entmistungssystem ab. Eine Vergleichsstudie maß bei Vollspaltenboden 8,82 Gramm Ammoniak pro Schwein und Tag, bei Tiefstreu nur 2,16 Gramm – rund viermal weniger. Diese Werte beschreiben Emissionen, nicht die Häufigkeit von Lungenentzündungen. Schlechte Luftqualität erhöht das Risiko für Atemwegsprobleme; Lungenentzündungen haben jedoch meist mehrere mögliche Ursachen.
Schweine brauchen außerdem Beschäftigung. Die intelligenten, neugierigen Tiere erkunden ihre Umgebung und wühlen natürlicherweise im Boden. Die EFSA bewertet fehlende Möglichkeiten zum Erkunden und Wühlen als wesentliches Tierschutzproblem. Wühlen ist eine wichtige Beschäftigung, keine bloße Zeitvertreibung. Fehlen geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten, können Frustration und Verhaltensstörungen entstehen – darunter vermehrte Aggression, bei der sich Schweine gegenseitig beißen und verletzen. Stroh bietet Beschäftigungsmaterial und ermöglicht natürliches Wühlverhalten. Gegen Vollspaltenboden sprechen somit Verletzungsrisiken, mögliche Ammoniak- und Augenreizungen sowie die Einschränkung natürlicher Verhaltensweisen. Die Zahlen stammen aus Einzelstudien und sind keine repräsentative Statistik für alle Schweine in Österreich.
Was wäre eine tiergerechte Alternative?
Weiche Einstreu, wie etwa Stroh.
Stroh bietet Schweinen einen deutlich angenehmeren Untergrund zum Liegen und Schlafen. Sie können wühlen, ihre Umgebung erkunden und eigene Schlafnester bauen. Das beschäftigt die intelligenten Tiere, ermöglicht natürliche Verhaltensweisen und kann Frustration sowie aggressives Verhalten reduzieren. Wichtig sind ausreichend Einstreu und geeignetes Beschäftigungsmaterial, das regelmäßig erneuert wird. So können Schweine ihre Bedürfnisse besser ausleben und sich eher zurückziehen, wenn sie Ruhe brauchen.
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