GM sieht Chinesen bei Opel noch im Rennen

Die bisherige Opel-Mutter General Motors (GM) zieht laut einem Zeitungsbericht den chinesischen Autobauer BAIC wieder verstärkt als Opel-Käufer in Erwägung. GM stehe einem möglichen Deal mit BAIC aufgeschlossener gegenüber, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag (6. Juli) unter Berufung auf einen Insider.

Das Angebot von BAIC habe ein Volumen von rund 660 Millionen Euro und der chinesische Autobauer wolle mit 2,64 Milliarden Euro weniger staatliche Garantien als der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna, hieß es weiter. Magna ist bisher weiter als andere Bewerber.

GM unterzeichnete mit dem Zulieferer eine Absichtserklärung. Magna will das Geschäft bis Mitte Juli unter Dach und Fach bringen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sprach am Wochenende allerdings noch von offenen Fragen. Ein Problem für BAIC wäre, dass das Unternehmen ein Konkurrent für das eigene China-Geschäft von GM ist.

Chinas Regierung sieht BAIC-Interesse an Opel skeptisch

Der staatliche chinesische BAIC stößt außerdem bei seinem Gebot für Opel einem Magazinbericht zufolge auf Vorbehalte der eigenen Regierung. Peking sei weiterhin sehr reserviert, was den Erwerb ausländischer Autobauer durch einheimische Betriebe angehe, schrieb die einflussreiche chinesische Zeitschrift "Caijing" auf ihrer Internetseite (www.caijing.com.cn). Das sei auch der Grund gewesen, warum der chinesische Hersteller Geely Automobile letztlich nicht für die von Ford zum Verkauf gestellte Marke Volvo geboten habe.

BAIC werde nur dann einen Fuß in die Tür bekommen, wenn der geplante Deal von Opel und Magna scheitern sollte, so das Magazin. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster hatte am Wochenende erklärt: "Nach dem Treffen der Spitzen von GM und Magna bin ich äußerst zuversichtlich, da wurde weitgehend Einverständnis erzielt." Die Gespräche mit anderen Investoren seien bei weitem nicht so weit fortgeschritten. "Magna hat einen ganz erheblichen Vorsprung."

BAIC bietet Kreisen zufolge 660 Mio. Euro für einen 51-prozentigen Anteil an Opel. GM würde den Vorstellungen der Chinesen zufolge mit 49 Prozent beteiligt. Der britischen "Financial Times" zufolge will BAIC 2 Mrd. Dollar in den Bau eines Opel-Werks in China investieren. Die Belegschaft in Europa soll reduziert werden, wobei das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen würde. In Deutschland würden zumindest bis zur Fertigstellung des chinesischen Opel-Werks im Jahr 2012 Autos für den dortigen Markt gebaut. BAIC will Staatsgarantien in Höhe von 2,64 Mrd. Euro in Anspruch nehmen - weniger als die von Magna erbetenen 4,5 Milliarden.

Der Zugriff auf die Patente von Opel sei der entscheidende Grund für das Gebot von BAIC, schrieb das Magazin "Caijing". Mit der Technologie von Opel wäre BAIC frei, für den größten und am schnellsten wachsenden Markt der Welt Autos zu bauen. Wie hoch die Bereitschaft von GM ist, Opel an BAIC abzugeben, ist allerdings offen. Bisher ist der chinesische Markt einer der wenigen hoffnungsvollen für den insolventen US-Autobauer. Die geplante Opel-Fabrik würde die Wettbewerbssituation für GM deutlich verschlechtern. Ein Opel-Aufsichtsrat hatte dazu kürzlich gesagt: "General Motors wird kaum das Risiko eingehen, die Europa-Tochter und damit wertvolle Technologie an einen chinesischen Autobauer zu verkaufen, der dem US-Konzern dann in Fernost Konkurrenz macht."

"Beeindruckender Bieter"

Das "Wall Street Journal" zitierte allerdings eine Person aus dem GM-Umfeld mit den Worten, BAIC sei ein "beeindruckender Bieter" und GM zeige sich zunehmend enthusiastisch, möglicherweise einen Deal mit BAIC abzuschließen.

Magna hat sich mit GM, der US-Regierung und der deutschen Bundesregierung bereits grundsätzlich auf einen Einstieg bei Opel verständigt. Der Vertrag ist allerdings rechtlich nicht bindend. GM hatte auch dem Finanzinvestor RHJ International und BAIC Einblick in die Opel-Bücher gewährt. Opel gehört nach der Abspaltung von GM einem Treuhänder, der bis zum Verkauf an einen Investor eine Mehrheit von 65 Prozent der Anteile verwaltet. Die Verkaufsverhandlungen führt aber weiterhin GM.