ÖBB behalten defizitäre Ungarn-Tochter

Bahn-Chef Kern bestätigt

ÖBB behalten defizitäre Ungarn-Tochter

Die ÖBB weisen Verkaufsgerüchte und eine Staats-Beteiligung zurück.

Die ÖBB wollen ihre ungarische defizitäre Güterverkehrstochter Rail Cargo Hungaria (RCH, ehemals MÁV Cargo) nicht verkaufen, stellte ÖBB-Chef Christian Kern gestern, Donnerstag, in Budapest klar. Auch dass der ungarische Staat wieder einen Anteil an der RCH erwerben könnte, sei "reine Spekulation". Es gebe keine Gespräche darüber, sondern lediglich über Kooperation. In Ungarn will man auch 2011 mehr als 30 Mio. Euro investieren, etwa in die IT bzw. in den Güterwaggon-Produzenten TS Hungaria, der im Vorjahr von der ÖBB Technische Services GmbH gekauft wurde.

Güterverkehr läuft verstärkt über Ungarn
Die ÖBB würden die Güterverkehre verstärkt über Ungarn lenken, berichtete Kern. So würden etwa Erze aus der Ukraine für die voestalpine statt über die Slowakei nun über Ungarn befördert. Es gebe die klare Strategie, soviel wie möglich über Ungarn zu transportieren. Dennoch zeigte sich Kern über den ungarischen Logistikmarkt besorgt: Während es in den letzten Monaten ein Wachstum des Güterverkehrs in Westeuropa von 3 bis 4 Prozent gegeben hat, stagnierte der ungarische Markt. Dazu komme auch das Problem mit dem finanziell angeschlagenen Griechenland, da Ungarn ein wichtiges Transitland für die griechische Wirtschaft sei.

ÖBB wollen Marktführer in Mittel- und Südosteuropa werden
Die Bundesbahnen halten an ihrem Ziel fest, im Güterverkehr Marktführer in Mittel- und Südosteuropa zu werden, so Kern im Gespräch mit der APA. Dazu müsse man das Produktions- und Vertriebsgebiet deutlich erweitern, um auch das Kerngeschäft in Österreich abzusichern. Derzeit würde man innerhalb Österreichs Güter im Schnitt 200 bis 250 Kilometer befördern, interessant werde es aber erst ab 500 Kilometer. Derzeit könne man jedes Unternehmen in der Zielregion der ÖBB kaufen, es mache aus Sicht Kerns aber keinen Sinn, die Staatsbahnen in der CEE-Region zu kaufen. Einerseits seien sie sehr unproduktiv, andererseits würde die Barriere für Markteintritte in den Ländern zunehmend fallen.

Straffere Struktur soll sparen helfen
Kern will die derzeitigen 108 RCA-Beteiligungen auf 52 reduzieren, um die Struktur der ÖBB zu straffen. Früher habe man Beteiligungen gekauft und sie arbeiten lassen. Künftig sollen die Beteiligungen stärker in Wien angehängt sein, so Kern.