Bahnverkehr in Italien steht still

Streikwelle

Bahnverkehr in Italien steht still

Neben den Eisenbahnern streiken auch die Metaller.

Streiks und Demonstrationen setzen Italien unter Druck. Die Metallarbeiter legten am Freitag acht Stunden lang die Arbeit nieder. Demonstrationen sind in mehreren italienischen Städten, vor allem in Rom geplant. Auch die Eisenbahner legten acht Stunden lang die Arbeit nieder. Bis 17 Uhr ist im Bahnverkehr mit erheblichen Problemen zu rechnen. Mit dem Arbeitsausstand wollen die Gewerkschaften einen neuen Kollektivvertrag fordern. Sie protestieren außerdem gegen die von der Regierung Berlusconi beschlossenen Kürzungen im öffentlichen Verkehr.

Metaller-Streik
  Der Metaller-Streik wurde von dem Gewerkschaftsverband FIOM ausgerufen. Protestiert wird gegen Pläne der Autogruppe FIAT, den Bushersteller Irisbus zu schließen, was zur Streichung von 700 Jobs führen werde. Irisbus war 1999 aus einer Kooperation zwischen Fiat und Renault entstanden. FIOM protestiert auch gegen Fiats Pläne, ab Anfang 2012 aus dem Industrieverband Confindustria auszusteigen. Damit wird Fiat nicht mehr an die von der Organisation unterzeichneten Kollektivverträge gebunden sein.

   Mit dem Austritt aus dem Industriellenverband versetzt Fiat dem italienischen System stark zentralisierter Kollektivverhandlungen einen schweren Schlag. Fiat-Chef Sergio Marchionne erklärte seine Entscheidung damit, dass die Sozialpartner trotz Wirtschaftskrise noch immer keine Signale der Bereitschaft gegeben hätten, die Kollektivverhandlungen auf die Betriebsebene zu verlagern. Marchionne befürchtet, dass ein vom Parlament im Rahmen des Sparpakets verabschiedetes Gesetz zugunsten betrieblicher Kollektivverhandlungen missachtet werde. Dies beeinträchtige Fiats Investitionspläne in Italien.

Gewerkschaft schlägt Alarm
  Für eine Dezentralisierung der Kollektivverhandlungen sowie eine Lockerung des Kündigungsschutzes hatten sich Anfang August auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean Claude Trichet, und sein designierter Nachfolger Mario Draghi in einem Brief an Regierungschef Silvio Berlusconi ausgesprochen. Allerdings forderten sie auch eine Revision des rigiden Kündigungsschutzes und anderer gesetzlicher Einschränkungen am Arbeitsmarkt.

   Die Gewerkschaften schlagen angesichts der Fiat-Pläne Alarm. "Wir stehen vor einem Versuch, das System der Kollektivverhandlungen in Italien abzubauen. Fiat will in Italien das gescheiterte US-System durchsetzen", warnte die Metallergewerkschaft.