Brexit spiegelt sich in den Märkten

EU-Austritts-Votum

Brexit spiegelt sich in den Märkten

Allianz-Ökonomen sehen nähere Zukunft als ungewiss an.

Das britische EU-Austritts-Votum kam für die Märkte überraschend, obwohl es als größter Risikofaktor eingestuft wurde. Brexit wird passieren und länger in den Märkten spürbar sein, erklärten Christian Ramberger und Martin Bruckner von der Allianz Invest am Dienstag in einer Pressekonferenz in Wien. Wie es konkret weitergehen wird, sei so kurz nach dem Referendum des 23. Juni schwer zu sagen.

Pessimistische Wachstumsaussichten für die EU

Im ersten Halbjahr 2016 war vorerst eine Erholung der Wirtschaft in den volkswirtschaftlichen Prognosen spürbar, da sich die Risikofaktoren aus dem 2. Quartal, wie der Ölpreis oder der verlangsamter Wachstum Chinas und der Emerging Markets, erholt haben. Doch der Brexit, der seit kurzem durch Negativtrends vor allem in den Währungen eine Unsicherheit in den Finanzmärkten verbreitet, schlug wie ein Blitz ein und gibt Anlass zu pessimistischen Wachstumsaussichten für die EU.

Noch in der letzten Pressekonferenz zum zweiten Quartal im April verkündete Allianz Invest noch, dass 65 Prozent der Investmentbanken denken, dass ein Brexit nicht passieren würde. Doch der Risikofaktor sei eingetreten und werde im dritten Quartal deutlich spürbar sein. Auch die Zukunft sei unklar, da die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Brexit weder in Großbritannien noch in der restlichen Welt abschätzbar seien. Kursverluste, Absturz des britischen Pfund und Negativzinsen seien nur der Anfang, und einen konkreten britischen Ausstiegsplan aus der EU scheine es nicht zu geben.

Frankfurt als Favorit für neue Finanzhauptstadt

Die Austrittsentscheidung des UK halte "keine wesentlichen Überraschungen" bereit, so Ramberger. Schon jetzt seien viele negative Auswirkungen zu beobachten: die Machtkämpfe innerhalb der britischen Parteien, der weitere Absturz des Pfund Sterling und die ständigen Meldungen, welche Bank oder Institution nun der City of London den Rücken kehren würde. Frankfurt sei wegen der EZB der Favorit als neue Finanzhauptstadt, aber das Rennen sei weiterhin offen, meinte Bruckner zur APA.

Offensichtlich werde sich die politische Landschaft weltweit verändern. In Deutschland und Frankreich würden bei den Wahlen 2017 Anti-EU-Parteien einen Rückenwind spüren und auch in den Vereinigten Staaten gäbe es "keinen überzeugenden Kandidaten", so Ramberger. Die EZB werde weiterhin eine expansive Geldpolitik betreiben müssen, der Druck auf die Banken werde steigen, der Binnenmarkt werde schrumpfen, und die Ratings würden fallen.