US-Behörden gaben grünes Licht

EU könnte Ehe zwischen Sun und Oracle verzögern

Die Europäische Kommission wird möglicherweise die Firmenehe zwischen Oracle und Sun Microsystems verzögern. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit der Situation vertrauten Personen erfuhr, hatte die Kommission am Dienstag (2. September) - weniger als 48 Stunden vor Ablauf der Frist am Donnerstag - noch keine Entscheidung zu der gut 7 Mrd. Dollar (4,92 Mrd. Euro) schweren Übernahme getroffen.

Die EU-Wettbewerbshüter debattierten darüber, ob der Fall einer eingehenden Prüfung unterzogen werden soll, die bis zu vier Monate dauern könnte. Der SAP-Konkurrent Oracle will die Übernahme von Sun in dieser Woche abschließen und erhielt dafür vergangene Woche bereits grünes Licht von den US-Behörden.

Kopfschmerzen bereitet der EU-Kommission vor allem, dass Oracle die Kontrolle über die Sun-Datenbank MySQL bekommen würde, hieß es weiter. Branchenexperten äußerten sich überrascht, dass die Kommission hier den Wettbewerb in Gefahr sieht. Sie schätzen den Umsatz von MySQL auf rund 300 Mio. Dollar pro Jahr. Oracles bisheriger Umsatz mit Datenbanken beläuft sich nach Angaben der Marktforscher von Gartner auf rund 9,2 Mrd. Dollar.

Entscheidet sich die Kommission für eine eingehende Prüfung, würde dies den Zeitplan von Oracle über den Haufen werfen. Gleichzeitig würde dies Sun-Rivalen wie Hewlett-Packard und IBM eine neue Chance bieten, weitere Sun-Kunden mit Preisnachlässen und anderen Anreizen abzuwerben. HP und IBM machen sich dabei die Sorgen der Kunden zunutze, dass der Software-Gigant Oracle wenig von Suns Hardware-Geschäft versteht.