Winterkorn VW Chef

EU hat Bedenken

VW-Vorstände nicht im MAN-Aufsichtsrat

Volkswagen-Chef Winterkorn zieht nicht in den MAN-Aufsichtsrat ein.

Volkswagen kann auf Druck der EU-Kommission nicht wie geplant bereits jetzt die Kontrolle beim Lastwagenhersteller MAN übernehmen. Der deutsche Autobauer zog die Kandidatur von Konzernchef Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und Lkw-Vorstand Jochem Heizmann für den MAN-Aufsichtsrat zurück.

Die Wettbewerbshüter hätten VW darauf hingewiesen, dass der auf der MAN-Aktionärsversammlung am Montag geplante Einzug der VW-Vorstände in das Gremium erst nach der fusionsrechtlichen Genehmigung erfolgen sollte, teilte Europas größter Autobauer mit.

VW besitzt rund ein Drittel von MAN
VW hatte seinen Anteil an dem Münchner Lastwagenkonzern vor Kurzem über eine wichtige Schwelle von 30 Prozent gehoben und musste allen anderen Anteilseignern daraufhin ein Pflichtangebot unterbreiten. Auf der Hauptversammlung in München wollte sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech am Montag zusammen mit vier Managern aus Wolfsburg und Ingolstadt in den Aufsichtsrat des traditionsreichen Nutzfahrzeug- und Maschinenkonzerns wählen lassen.

Da Piech und Audi-Chef Rupert Stadler bereits in dem Gremium sitzen, würden die Wolfsburger künftig fünf von acht Vertreter der Kapitalseite im Kontrollrat stellen. Piech sitzt dem MAN-Aufsichtsrat bereits vor. In seiner Doppelrolle bei VW und MAN sehen angelsächsische Investoren und Kleinaktionäre einen Verstoß gegen die Regeln guter Unternehmensführung.

VW schlägt Alternativ-Kandidaten vor
VW teilte mit, statt der drei eigenen Vorstände sollten nun Matthias Bruse, Ulf Berkenhagen und Thomas Kremer zur Wahl vorgeschlagen werden. Damit gerät der Plan für einen Wechsel von Audi-Manager Berkenhagen als Einkaufschef in den MAN-Vorstand ins Wanken. VW erklärte, bis zum Abschluss des Fusionskontrollverfahrens sei nicht beabsichtigt, etwas an der Besetzung des MAN-Vorstandes zu ändern. Audi-Einkaufsvorstand Berkenhagen, der bereits dem MAN-Aufsichtsrat angehört, sollte nach früheren Informationen aus Unternehmenskreisen in gleicher Funktion zu MAN wechseln. Für ihn sollte eigens ein Vorstandsressort bei den Münchnern geschaffen werden.

VW hat den MAN-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet, das am Mittwoch ausläuft. Obwohl sich das Offert formal an die Aktionäre des Münchner Unternehmens richtet, will Volkswagen damit vor allem die Erlaubnis der Kartellbehörden zu einer Allianz seiner Tochter Scania mit MAN einholen. Von einer Zusammenarbeit der beiden Lastwagenkonzerne verspricht sich VW Kostenvorteile von mindestens 200 Mio. Euro im Jahr.