Euro stürzt weiter ab

Angst greift um sich

Euro erholt sich nach Vierjahrestief

Laut Devisenhändler gibt es unbestätigte Marktgerüchte, dass die Ratings für Italien und Frankreich nun ebenfalls gesenkt werden könnten. Zuletzt wurde Spanien herabgestuft.

Der Euro hat sich am späten Dienstagnachmittag wieder deutlich von seinen im Tagesverlauf markierten Vierjahrestiefs erholt. Auch gegen den Yen konnte der Euro im Späthandel zulegen. Gegen Pfund und Franken notierte der Euro wenig verändert.

Marktteilnehmer berichteten von einem turbulenten Handel. Nach den im Verlauf erreichten Tiefstständen wurden automatische Kauforder ausgelöst und beförderten den Euro rasch wieder nach oben. Weiter angetrieben wurde der Euro einem Händler zufolge auch von Meldungen, denen zufolge China an einem stabilen Euro interessiert sei.

Am Vormittag war der Euro angesichts neuer Sorgen um die europäische Schuldenkrise zeitweise auf 1,2110 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit April 2006 gefallen

Rating von Italien und Frankreich soll gesenkt werden

Als Auslöser für den Kursrutsch am Dienstag nannten Devisenhändler unbestätigte Marktgerüchte, denen zufolge auch die Bonitätsratings von Italien und Frankreich gesenkt werden könnten. Zuletzt hatte eine Kreditrating-Abstufung von Spanien in der Vorwoche für fallende Euro-Kurse gesorgt.

Die damit einsetzenden Verkäufe hätten eine Welle von automatischen Verkaufsaufträgen ausgelöst und den Euro damit weiter unter Druck gesetzt, berichteten Marktteilnehmer. Eine Stabilisierung des Euro sei derzeit noch nicht zu beobachten, hieß es am Markt.

Die Wiener Börse hat sich am Nachmittag mit deutlichen Verlusten gezeigt. Der ATX fiel bis 14.15 Uhr um 68,76 Punkte bzw. 2,84 Prozent auf 2.353,87 Punkte. Zum Vergleich: DAX/Frankfurt -1,71 Prozent, FTSE/London -2,05 Prozent und CAC-40/Paris -2,18 Prozent.

Aktienhändler erklärten die Verluste mit dem schwachen europäischen Börsenumfeld. Auch an anderen Märkten ging es angesichts neuer Ängste um die Konjunkturentwicklung in Europa und China teilweise deutlich nach unten.

Brüderle: "Momentan nicht schädlich"

Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle setzt trotz kurzfristiger Vorteile nicht grundsätzlich auf einen schwächeren Euro. Auf die Frage, ob der schwächere Euro Wachstum und Arbeitsmarkt beflügle, sagte Brüderle am Dienstag: "Das ist zunächst ein kurzfristiger Effekt ... Darauf würde ich nicht setzen." Entscheidend sei, dass Deutschland seine Erfolge auf den Weltmärkten mit Qualität und Service erzielen müsse. "Deshalb kann man nicht einen schwächeren Euro als Leitbild haben", unterstrich er. "Momentan ist es nicht schädlich", räumte er aber ein. Zur Wirtschaftsentwicklung generell merkte er an: "Wir sind noch nicht über den Berg." Die neuen Arbeitsmarktzahlen seien aber hervorragend, auch wenn sie einen gewissen Nachholeffekt beinhalteten.