Europas Leitbörsen einheitlich tiefrot

Am Montag

Europas Leitbörsen einheitlich tiefrot

Der Euro-Stoxx-50 verbilligte sich um klare 76,56 Einheiten oder 2,22 Prozent auf 3.365,20 Zähler.

Die europäischen Leitbörsen sind am Montag nach einer zwischenzeitlichen Erholungsrally vor Schluss wieder deutlicher in die Verlustzone gerutscht. Der Euro-Stoxx-50 verbilligte sich um klare 76,56 Einheiten oder 2,22 Prozent auf 3.365,20 Zähler.

   Die Börsen hatten im Verlauf ihre teilweise drastischen Kursverluste etwas eingegrenzt um kurz vor Ende noch einmal sehr deutlich ins Minus abzurutschen. Die Staats- und Regierungschefs der Euroländer treffen nun am Dienstagabend zu einem Sondergipfel in Brüssel zusammen. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras versprach bereits der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, neue Vorschläge gegen die Schuldenkrise vorzulegen. Als Zeichen der Annäherung wurde zudem der Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gewertet.

   Varoufakis begründete den Schritt damit, dass ihm einige Mitglieder der Eurogruppe klar gemacht hatten, dass sie es vorziehen würden, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen werde. Sein Abschied wurde von Tsipras als "potenziell hilfreich" betrachtet. Varoufakis erklärte, er werde die Abscheu der Gläubiger mit Stolz tragen. Fünf Stunden vor dem Sondergipfel in Brüssel werden sich auch die Finanzminister in Brüssel treffen. Der neue Vertreter Griechenlands wird dabei der ehemalige Vize-Außenminister Euklides Tsakalotos sein, wie kurz vor Börsenschluss noch bekannt wurde.

   Analysten kommentierten, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Euro-Austritt Griechenlands nun höher als ein Verbleib in der Zone sei. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, relativierte zudem das Schreckgespenst, das Griechenland auf die europäischen Finanzmärkte warf. Das Land habe nach Ansicht von Krämer nicht mehr das Potenzial, den Bestand der Währungsunion zu gefährden.

   Im Branchenvergleich zeigten sich Bankaktien mit den deutlichsten Verlusten. Im Euro-Stoxx-50 fanden sich vier Banktitel am unteren Ende der Liste wieder. Besonders die in Italien ansässigen UniCredit und Intesa Sanpaolo erlitten massive Verluste. Die Aktie der Krisenbank Monte Paschi di Siena musste sogar zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt werden, bevor sie auf Minus 11,51 Prozent schloss. UniCredit stürzten um 6,12 Prozent ab, Intesa Sanpaolo rutschten um 5,98 Prozent ins Minus.

   Im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern wäre Italien am deutlichsten von einem griechischen Zahlungsausfall betroffen. Der Mailänder Leitindex schloss mit minus 4,03 Prozent mit deutlicheren Abschlägen als die vergleichbaren europäischen Börsenbarometer.

   In Schweden gewannen unterdessen die Aktien der Modern Times Group satte 2,50 Prozent hinzu. Der Milliardär Alisher Usmanov hat für die Mehrheit an der russischen Niederlassung des Nachrichtenkonzerns 200 Mio. Dollar geboten. Damit würde MTG eine Abschreibung von 400 Mio. schwedischen Kronen (47 Mio. Dollar) verbuchen müssen. Nach der finnischen Sanoma Oyj ist es bereits das zweite Unternehmen, welches den Rückzug aus Russland antreten muss, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin, die Mediengesetze verschärft hat.