Bernanke / Fed

Piloten-Abgang

AUA fürchtet massive Flugausfälle im Sommer

Betriebsrat fürchtet bei Eskalation kurzfristigen Abflug von 200 bis 300 Piloten.

Die österreichische Lufthansa-Tochter AUA (Austrian Airlines) dürfte bereits einem Massen-Abgang von Piloten vorbauen. Das Management plant laut Bord-Betriebsratschef Karl Minhard Leasing-Piloten einzusetzen, um einem im Sommer drohenden "Riesenproblem" Herr zu werden. Die AUA schrieb in einem internen Papier, sie gedenke, Piloten "hereinzuleasen". Minhard warnte heute: Das könnte zu Meuterei führen.

AUA-Sprecher Michael Braun bestätigte, der Einsatz von Leasing-Piloten sei denkbar. "Doch nur wenn es zwingend und dringend notwendig würde, wenn alle Stricke reißen".

Die AUA wolle ja mit den Mitarbeitern in Zukunft arbeiten. "Wenn sie jetzt sagen, sie möchten uns verlassen, ist das schade, aber natürlich eine individuelle Entscheidung". Einen Pilotenmangel gebe es derzeit jedenfalls nicht. Es gebe im Konzern sogar wieder einen Überhang, etwa durch 50 Tyrolean-Teilzeitpiloten. Zudem gebe die AUA gerade 11 Flugzeuge ab und bekomme weniger (7) herein, und außerdem seien einige nicht im Flugbetrieb, weil auf Umschulung von Boeing auf Airbus.

Der AUA-Konzern beschäftigt zur Zeit mehr als tausend Piloten, unter ihnen knapp 350 nach dem teuren AUA-KV alt und 440 nach dem billigsten KV, dem der Regionaltochter Tyrolean.

Aus Arbeitgebersicht schaut der Markt für Piloten in Europa derzeit aber ohnedies ganz gut aus, weil einige Airlines den Betrieb einstellten und viele Piloten mit aufrechten Lizenzen zurückließen. AUA-Kreisen zufolge könnten freilich auch Piloten von der Mutter Lufthansa aushelfen.

Ein Einsatz Dritter auf AUA-Flugzeugen sei nicht von heute auf morgen möglich, stellte vorab Bord-Betriebsratschef Minhard fest. Es ist selber seit fast 25 Jahren im Unternehmen und Flugkapitän. "Wenn sie einen Fremden fliegen lassen, müssen sie mit mindestens drei Monaten rechnen." Fingen sie jetzt an, hieße das einen Ersatz frühestens im August.

Für den Fall, dass einem Copiloten nach 18 Jahren ein neuer Kapitän von außen hineingesetzt würde, warnte Minhard heute aber schon vor einer "Meuterei" wie seinerzeit bei Swissair/Crossair. Da sei es sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen. "Die haben sich fast zerfetzt damals." Nun werde gefürchtet, dass das bei der AUA in die gleiche Richtung geht.

Der AUA-Bordbetriebsrat glaubt nicht, dass ein Zwangsumstieg geht, wenn es keinen Kollektivvertrag gibt. Die Gewerkschaft vida hat ja den Tyrolean-Bord-KV gekündigt, um zu verhindern, dass die AUA durch die Überführung ihres Flugbetriebs auf die Regionalflugtochter die Arbeitsbedingungen von Piloten und Flugbegleiterinnen verschlechtert.

Minhard geht davon aus, dass die Unternehmenssanierung auch auf Kosten der Tyrolean gehen würde. Logische Konsequenz wären dann wohl Verlagerungen. Zwei Head-Offices für Wien und Innsbruck könnten da aus Unternehmenssicht für eine Firma mit weniger als 100 Flugzeugen schon einiges Einsparpotenzial bringen.

Geredet werde viel, offzielle Informationen gebe es nicht. Offenbar wolle es sich der Vorstand nicht mit allen Gruppen im Konzern gleichzeitig verscherzen, meint man in der Belegschaftsvertretung. Anders als kolportiert gebe es auch mit dem Boden-Personal bisher keine Einigung zum Sparpaket.

Seit 2001 habe es 11 Vorstände, fünf (in Kürze sechs) Sparpakete gegeben, und kein Konzept, um die Firma zu sanieren. 2011 sei überhaupt das Jahr der Entscheidungslosigkeit gewesen, in dem Geld verbrannt wurde. In der jetzigen Runde habe der Vorstand seine Forderungen mittendrin "aufgedoppelt", kritisierte Minhard. Überlegungen für einen Konzern-Kollektivvertrag habe es im übrigen auch von Firmenseite schon gegeben.

Aktuell sieht es nach APA-Informationen so aus, dass am kommenden Donnerstag im Aufsichtsrat kein Beschluss auf Betriebsübergang fällt. In dem Fall wäre wohl auch ein Streit um Sofort-Austritt per Sonderkündigungsrecht oder Einhaltung von Kündigungsfristen entbrannt.

Die Arbeitnehmer sehen auf absehbare Zeit auch keine größeren einzelvertraglichen Änderungsmöglichkeiten: So lange es keine neuen Kollektivverträge (bei AUA und Tyrolean) gebe, gelten die alten - bis Juni 2013.