E10-Benzin

AK und Autofahrerklubs dagegen

Chaos-Sprit E10: Protest auch bei uns

Ab Oktober 2012 soll es bei uns Benzin mit 10-prozentiger Ethanolbeimischung geben.

In Deutschland sorgte die Einführung des Autotreibstoffs E10 – das ist Benzin mit etwa 10-prozentiger Beimischung von Biosprit (Ethanol) – heuer bereits für Chaos und wütende Verbraucherproteste. Doch auch in Österreich soll der umstrittene Treibstoff auf den Markt kommen. Geht es nach den Wünschen des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums unter VP-Minister Niki Berlakovich, ist es im Oktober 2012 so weit.

Scharfe Kritik
Hintergrund ist die EU-Absicht, bis 2020 rund 10 % des Treibstoffs aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Während Deutschland diesem Fahrplan hinterherhinkt, hat Österreich aber bereits jetzt über 8 % Biosprit-Anteil bei den Treibstoffen. „Wir haben keinerlei Zeitdruck, schon im nächsten Jahr E10 einzuführen“, ärgert sich Arbö-Generalsekretärin Lydia Ninz im Gespräch mit ÖSTERREICH. Es sei zudem nicht garantiert, dass alle Motoren den Kraftstoff auch vertragen.

Sprit noch teurer
Ninz kalkuliert, dass E10-Benzin nochmals rund 4,5 Cent pro Liter teurer wäre. „Dabei leiden wir schon jetzt unter den extrem hohen Spritpreisen“, wundert sich Ninz über die Pläne des Ministeriums. Unterstützung erhält sie von der Arbeiterkammer. AK-Direktor Werner Muhm führt wie Ninz noch weitere Argumente gegen E10 ins Treffen.

Preisspirale

So könnte auch die Preisspirale bei Lebensmitteln weiter angeheizt werden. Denn Ethanol wird vor allem durch die Verspritung von Mais, Weizen und Zuckerrüben hergestellt. Muhm und Ninz sind sich einig: „Lebensmittel gehören auf den Teller, nicht in den Tank. Solange Menschen verhungern, dürfen Ackerflächen nicht zur Spritproduktion verwendet werden.“

Muhm greift auch den heimischen Agrarkonzern Agrana an, der sich stark in der Biospritproduktion engagiert und erst kürzlich eine massive Erhöhung der Zuckerpreise angekündigt hat. Die Agrana widerspricht der AK: „Wir brauchen zur E10-Herstellung keine zusätzlichen Anbauflächen.“

Frank Placke