Erste-Group-Chef Treichl zeigt sich zufrieden

Erste erreicht Halbjahresgewinn von 492 Mio. Euro

Die Rezession in Osteuropa hat die Kreditrisikokosten der Erste Group im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. Zugleich haben aber das Zinsgeschäft und das Handelsergebnis die Erträge getrieben. Damit wies die börsenotierte Bank für die ersten sechs Monate 2009 einen Nettogewinn von 492 Mio. Euro aus.

Das war ein Rückgang um 22,7 Prozent zum ersten Halbjahr 2008 (636,6 Mio. Euro). Damit lag die Bank deutlich über den Analystenerwartungen. Mit Ausnahme der Ukraine machten alle Tochterbanken auch im ersten Halbjahr einen Gewinn, teilte die Erste am 30. Juli mit.

Vor allem in zweiten Quartal sind auch im Osten die Vorsorgen für faule Kredite stark angestiegen. Gruppenweit stiegen die Risikokosten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 auf 892,1 Mio. Euro. Das war ein Anstieg um 132,3 Prozent. Zwischen April und Juni stieg der Konzernüberschuss nach Steuern und Minderheiten trotz schwieriger Marktverhältnisse um 12 Prozent von 232,1 Mio. Euro im ersten Quartal 2009 auf 260 Mio. Euro im zweiten Quartal 2009. Im Vorjahreszeitraum waren es 321 Mio. Euro gewesen.

Treichl stellt Gewinne in Aussicht

Im Ausblick signalisierte Erste-Group-Chef Andreas Treichl weiterhin Gewinne. Auch wenn wegen der Verschlechterung der Wirtschaftslage die Risikokosten angestiegen seien, sei er überzeugt, "dass wir unser Geschäftsmodell auch weiterhin profitabel umsetzen können", schrieb Treichl im Pressebericht zum ersten Halbjahr 2009. Ende Juni betrug 2009 die Bilanzsumme der Erste Group 204,2 Mrd. Euro. Das war ein leichter Zuwachs um 1,4 Prozent seit Ultimo 2008.

Der Cash-Gewinn je Aktie lag im ersten Halbjahr bei 1,41 Euro (ausgewiesener Wert: 1,35 Euro) nach 2,10 (ausgewiesen: 2,03) Euro im Vergleichszeitraum 2008. Wie die Erste Group weiter mitteilte, sank die Eigenkapitalverzinsung (cash) - bezogen auf das um die Partizipationsscheine erweiterte Kapital - von 15,2 Prozent (ausgewiesen: 14,7 Prozent) im ersten Halbjahr 2008 auf nun 11,6 Prozent (ausgewiesen: 11,2 Prozent).

Bis April hat die Bank Partizipationskapital über 1,76 Mrd. Euro platziert. Der österreichische Staat hat davon 1,224 Mrd. Euro gezeichnet. 540 Mio. Euro wurden nach Institutsangaben durch Private gezeichnet. Aufgrund der Emission des PS-Kapitals habe sich die Eigenmittelquote von 10,1 Prozent Ende 2008 auf 11,1 Prozent per 30. Juni 2009 verbessert (Mindesterfordernis: 8 Prozent). Die Kernkapitalquote, bezogen auf das Kreditrisiko, wird von der Bank zum 30. Juni mit 8,4 Prozent (nach 7,2 Prozent Ende 2008) beziffert.

Rekord beim operativen Gewinn

Beim operativen Gewinn meldete die Bank für die ersten sechs Monate 2009 einen Rekord: Das Betriebsergebnis habe 1,776 Mrd. Euro erreicht, ein Plus von 19,1 Prozent. Während die Betriebseinnahmen um 7 Prozent zulegten, gingen die Betriebsausgaben um 2,1 Prozent zurück. Unter den Ergebnistreibern war das Handelsergebnis, das um 86 Prozent zugelegt hat.

Bilanzerleichterungen bei der Reklassifizierung von Wertpapieren nutzte die Bank nach eigenen Angaben nicht. Bei den Abwertungen auf strukturierte Produkte gab es dem Institut zufolge Entspannung: Der negative ergebniswirksame Effekt aus Abwertungen des ABS/CDO-Portfolios, der zum ersten Quartal noch 54,8 Mio. Euro ausmachte, sei im zweiten Quartal auf 11,3 Mio. Euro verringert worden. Die Belastung des Eigenkapitals sei vom ersten Quartal, in dem man noch bei 88 Mio. Euro lag, auf zuletzt 43 Mio. Euro reduziert worden.

Spekulationen, die österreichischen Großbanken würden in nächster Zeit einen Nachschlag an staatlicher Kapitalhilfe brauchen, hat Treichl für sein Haus zurückgewiesen: "Wir werden sicher nicht noch einmal zum Staat gehen. Ganz bestimmt nicht", sagte Treichl. Vom Staat hat die Erste Group heuer im Frühjahr 1,2 Mrd. Euro Partizipationskapital eingeschossen bekommen. Für das 2. Halbjahr steht der Vereinbarung mit der Republik zufolge die Aufnahme von einer Milliarde Hybridkapital an. Treichl bezeichnete es als "extrem wahrscheinlich", dass auch für 2009 eine Dividende ausbezahlt wird.

La Caixa hält maximal 10 Prozent

Die spanische Großsparkasse La Caixa (Criteria Caixa) hat mit der Erste-Hauptaktionärin einen Vertrag, dass sie in der börsenotierten österreichischen Bank mittelfristig auf 10 Prozent aufstocken kann, für den Erwerb von Aktienpaketen darüber hinaus (zwischen 10 und 20 Prozent) aber die Zustimmung der Erste-Stiftung einholen muss. In der Praxis ist vorerst aber der Riegel bei 10 Prozent vorgeschoben.

Einem Anteilserwerb über 10 Prozent "würden wir auch nicht zustimmen", sagte Treichl am Rande der Halbjahresbilanzpressekonferenz. "Wir wollen einen möglichst hohen Free Float", sagte der Erste-Chef. Das wüsste auch der spanische strategische Partner. Die Sparkassengruppe aus Barcelona ist vor wenigen Monaten ins Aktienkapital der Erste Group eingestiegen, hält jetzt 5,1 Prozent und ist seit Juni auch Kooperationspartner der österreichischen Großbank in Osteuropa

Der Übernahmekommission in Wien waren Einstieg und Vertragswerk angezeigt worden. In der Mitteilung an die Kommission hatten die Vertragspartner erläutert, dass die katalanische Sparkasse berechtigt wäre, ihren Anteil auf maximal 20 Prozent auszubauen, um eine Teilkonsolidierung ihrer Beteiligung an der Ersten zu ermöglichen, aber eben nur mit dem Okay der Erste-Stiftung. Die Erste-Stiftung ist mit 31,1 Prozent Hauptaktionärin der Erste Group. In der Finanzbranche gilt die neue Kooperation als ein Schutzschild gegen feindliche Übernahmeattacken, die vor allem die Erste Group immer wieder gefürchtet hat.

Die Erste Group hat ihre heuer eher unfreiwillig erlangte Beteiligung an der schwedischen Swedbank mittlerweile auf 2 Prozent abgebaut. "Der Kredit ist schon abgedeckt", hieß es vom Vorstand. Im März war der Erste Group ein Anteil von fast 4 Prozent an der schwedischen Bank zugewachsen, weil deren frühere Hauptaktionärin nach Aktienkursstürzen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnte. So wurden einige Kreditgeber, so auch die Erste für ihren Kredit von damals 30 Mio. Euro, Aktionäre "an Zahlung statt".