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Erste Group sieht Finanzkrise ausgestanden

Die Finanzmarkt-Experten der Erste Group sehen die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausgestanden. Durch die massiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen seitens der Notenbanken und Regierungen sei es möglich gewesen, die realwirtschaftliche Krise teilweise zu stabilisieren. Auch an den Finanzmärkten habe sich die Stimmung weiter verbessert. Die Analysten empfehlen weiterhin ein selektives Vorgehen an den Finanzmärkten.

Belastungen für Finanz- und Währungsmärkte ergeben sich nun vor allem aus der künftigen Bewältigung der teilweise extrem hohen Staatsverschuldungen, sagte Fritz Mostböck, Leiter der Erste Group Research. Hier werde zwischen Ländern und Asset-Klassen allgemein stark differenziert werden. Nur eine sachliche Analyse von Fundamentaldaten und -fakten können den richten Pfad aus der Krise beschreiben, so Mostböck.

Für die Volkswirtschaft der Eurozone sieht die Erste Group Anzeichen einer Verbesserung, vor allem Lagerveränderungen könnten das Wirtschaftswachstum im ersten und zweiten Quartal unterstützen. Die Endnachfrage sei dagegen noch nicht robust. "Wir prognostizieren 2010 ein BIP-Wachstum von 0,7 %, für 2011 von 1,4 %", so Erste Group Makro Analyst Rainer Singer. Die Inflation sollte noch einige Zeit niedrig bleiben.

Die EZB sollte die erste Erhöhung des Leitzinssatzes (+25 Basispunkte) im 1. Quartal 2011 umsetzen, so Singer. Die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen werden auf Sicht der kommenden Monate relativ stabil gesehen. Investoren konzentrierten sich nun stärker auf die Höhe der öffentlichen Verschuldung. Deutschland - als Benchmark der Eurozone - weise eines der niedrigsten Budgetdefizite innerhalb der Eurozone auf.

Bei der Erste Group lautet die Strategie für das 2. Quartal demnach: Cash leicht untergewichten, Renten leicht übergewichten und Aktien neutral stellen. Für Aktien aus der Region Europa wird aber ein leichtes Untergewichten empfohlen wird - CEE bleibe weiter attraktiv.

In den USA erwarten die Analysten für das 2. Quartal ein weiterhin moderates Wachstum. Aufgrund dämpfender Faktoren wie den Vermögensverlusten der Haushalte und noch immer hohen Überkapazitäten in der Industrie sei kein kontinuierlicher Anstieg der Wachstumsraten zu erwarten, sondern eine "Fluktuation um ein moderates Niveau", so die Experten. Es werde Jahre dauern, bis sich der "housing market" erholt habe. Langfristig werde die Konsolidierung des öffentlichen Haushalts das Wirtschaftswachstum belasten.

Von der Notenbank erwarten die Experten im zweiten Halbjahr eine Rücknahme der Liquidität. Eine erste Zinserhöhung werde frühestens für Ende 2010 als realistisch eingeschätzt. Was US-Staatspapiere betrifft, seien weitere Kursverluste zu erwarten. Mit einem Abklingen der Griechenlandkrise sollte das Verhältnis von Euro zu US-Dollar wieder in Richtung 1,4 kommen.

Die meisten Stimmungsindikatoren unterstützen aktuell einen vorsichtig positiven Ausblick für amerikanische Aktien, weshalb eine neutrale Gewichtung von US-Aktien für die Erste Group angemessen erscheint. Negativer Faktor seien die weiterhin schwachen Handelsvolumina.